Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.08.2019


Tirol

Mehr Geld und Kontrolle für die Festspiele Erl

Präsident Haselsteiner ist gegen eine zusätzliche Finanzaufsicht in Erl. Doch er scheint sich geschlagen zu geben.

Landesrätin Palfrader und Präsident Haselsteiner nähern sich in Sachen Kontrolle der Festspiele Erl allmählich an.

© brigitte eberharterLandesrätin Palfrader und Präsident Haselsteiner nähern sich in Sachen Kontrolle der Festspiele Erl allmählich an.



Von Markus Schramek

Innsbruck, Erl – Der Landesrechnungshof (LRH) hat die Festspiele Erl geprüft. Sein Befund: Bitte mehr Kontrolle bei den Finanzen! Ein Aufsichtsrat, wie er bis 2017 bestanden hatte, sei dazu ideal.

Hans Peter Haselsteiner, mächtiger Mann, weil Hauptfinanzier des Kulturbetriebs, will von einem Aufsichtsrat nichts wissen: zu schwerfällig, zu bürokratisch. Auf Anfrage der TT beharrt Haselsteiner auf seinem Standpunkt. Um dann zu überraschen. „Es wird aber wohl nichts nützen“, sagt der Präsident und deutet ein Einlenken an. Die Unterstützer eines Aufsichtsrats sind in der Überzahl.

Vor zwei Jahren wurden die Festspiele Erl in eine gemeinnützige Privatstiftung der Familie Haselsteiner umgewandelt. Die Stiftung wird seither vom Stiftungsvorstand, bestehend aus drei Personen, geleitet: Neben Haselsteiner selbst sind das Sektionschef Jürgen Meindl (für den Bund) und Landesrätin Beate Palfrader (für das Land Tirol).

Bund und Land fördern die Festspiele mit je 1,15 Mio. Euro jährlich. Haselsteiner berappt ein Vielfaches davon. Er soll bisher an die 70 Millionen Euro investiert haben, den Großteil in bauliche Maßnahmen wie das neue Festspielhaus samt Parkgarage und Künstlerherberge.

Palfrader hat den Vorschlag des Rechnungshofes volley übernommen. „Finanzfachleute und Rechtsexperten des Landes sollen zusätzlich zur Kontrolle in Erl eingesetzt werden“, sagt die Landesrätin. Wie das rechtlich eingefädelt werden kann, sei offen. Eventuell wird der Stiftungsvorstand aufgestockt.

„Zuerst schafft Palfrader den Aufsichtsrat ab, jetzt will sie ihn wieder einsetzen“, zeigt sich LA Markus Sint (Liste Fritz) amüsiert. Die Umwandlung der Festspiele von einer GesmbH in eine Privatstiftung sei ein Fehler gewesen. Sint: „Vorher hatte das Land das Sagen, jetzt hat es Haselsteiner.“

Palfrader findet das gar nicht komisch. Sie verweist darauf, dass die Stiftungsgründung Chefsache gewesen sei, also jene von LH Günther Platter: „Er hat die Stiftungsurkunde unterschrieben.“

Zu ÖVP-Parteifreund Platter muss Palfrader ohnehin bald pilgern. Sie braucht mehr Geld für Erl. Der Zuschuss für 2020 ist offen. 1,15 Millionen Euro werden nicht reichen. Das hängt auch damit zusammen, dass der neue Erl-Intendant Bernd Loebe, der angesehene Direktor der Oper Frankfurt, ein Gehalt aus dem Budget bezieht. Und zwar, wie der Landesrechnungshof ausführt, „ein Entgelt über der Höhe der Manager-Richtlinie“ des Landes.

Ex-Intendant Gustav Kuhn bezog eine Spesenpauschale von maximal 28.000 Euro pro Jahr. Ein variables Gehalt von bis zu 150.000 Euro brutto wäre Kuhn nur im Falle eines Jahresüberschusses zugestanden. Was nie eintrat.

„Erl wird teurer“, räumt Palfrader ein, ohne zu sagen, um wie viel. Die bestehenden Zuschüsse für die Tiroler Festspiele hält sie aber ohnedies für überschaubar. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 förderte der Bund Erl mit einer Mio. Euro, die Bregenzer Festspiele mit 2,77 Mio. und die Salzburger Festspiele mit 6,4 Millionen.

Eine höhere Subvention für Erl können sich auch die Grünen vorstellen, der Koalitionspartner der ÖVP in Tirol. „Aber dann muss man auch über mehr Transparenz und Kontrolle reden“, legt sich Klubchef Gebi Mair fest.

Die Festspiele Erl bleiben im Gespräch, auch politisch.