Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.08.2019


Tiroler Landesmuseen

Peter Assmann: “Wir Ausländer sind nicht mehr erwünscht“

Peter Assmann, designierter Direktor der Tiroler Landesmuseen, über die zurückgedrehte Museumsreform in Italien und seine ersten Pläne für Tirol.

Peter Assmann, geboren 1963 in Zams, wird ab 1. November Geschäftsführer der Tiroler Landesmuseen.

© Thomas Boehm / TTPeter Assmann, geboren 1963 in Zams, wird ab 1. November Geschäftsführer der Tiroler Landesmuseen.



Von Micaela Taroni, APA

Mantua, Innsbruck — Italien rudert in Sachen Museumsautonomie zurück. Vier Jahre nach einer Reform, die die Museumslandschaft des Landes modernisieren sollte, macht Rom einen Rückzieher. Ausländische Direktoren, die 2015 an namhafte Häuser geholt wurden, verlassen Italien wieder. Nicht immer freiwillig. Peter Assmann leitet noch den Palazzo Ducale in Mantua. Im November wird er Direktor der Tiroler Landesmussen.

Nach vier Jahren wechseln Sie im November zu den Tiroler Landesmuseen. Ist die italienische Museumsreform von 2015 gescheitert?

Peter Assmann: Es ist traurig zuzusehen, wie Schritt für Schritt Errungenschaften abgebaut und große staatliche Museen in ihrer Autonomie beschränkt werden. Und all dies wurde von dem Kulturminister einer scheidenden Regierung beschlossen, ohne sich mit Fachleuten zu beraten. Ausländische Museumsdirektoren sind einfach nicht mehr erwünscht. Es gilt „Zuerst die Italiener". Das kennen wir aus einer Vergangenheit, die in einen großen Krieg mündete.

Wie hat sich Italiens Kulturpolitik seit dem Regierungsantritt der Koalition aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung geändert?

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Assmann: Es wird alles wieder zentralisiert. Die Aufsichtsräte der Museen sind abgeschafft worden. Die Bürokratie ist stark angewachsen. Wir produzieren nur sinnloses Papier. Dafür braucht es keine Kunsthistoriker, sondern Bürokratieexperten. Der letzte Rest von Wirtschaftlichkeit und einer gewissen Autonomie ist abgeschafft worden. Der Kulturbereich spielte für die Regierung keine Rolle mehr.

Zuletzt wurde der Vertrag mit der Direktorin der „Galleria Dell'Accademia" in Florenz nicht verlängert.

Assmann: Das ist unbegreiflich, denn die Galleria Dell'Accademia ist das Museum, das zuletzt im Verhältnis zum Personalstand die meisten Besucher gemeldet hat. Cecilie Hollberg wurde kurzfristig mitgeteilt, dass sie gehen muss. Ohne Begründung. Das Traurige ist, das alles interessiert nur wenige Italiener, weil alle so in ihren nationalen Überlegungen gefangen sind.

Könnte sich die Lage mit einer neuen Regierung in Italien verbessern?

Assmann: Die sozialdemokratisch geführte Regierung hat 2015 Reformschritte gesetzt. Jetzt steht die Möglichkeit einer Koalition von Sozialdemokraten und Fünf-Sterne-Bewegung im Raum. Die Fünf Sterne sahen Kultur bislang als Melkkuh — und haben viel mit Vehemenz kaputt gemacht. Museumsdirektoren stehen ratlos vor dem Chaos, das sich abgezeichnet hat.

Am 1. November treten Sie die Stelle als Geschäftsführer der Tiroler Landesmuseen an. Was planen Sie?

Assmann: Wir denken an eine Großausstellung über Goethes Italien-Reise mit tollen Leihgaben aus Weimar und Bildern aus dem Ferdinandeum. „Goethes Italien-Reise. Die Erfindung eines Landes, das es niemals gab" ist der vorläufige Arbeitstitel der Ausstellung, die vom Mai bis Oktober 2020 geplant ist. Wir arbeiten am Umbauprojekt für das Ferdinandeum, das 2023 das 200. Gründungsjubiläum feiert. Außerdem planen wir eine Ausstellung von Krippen aus Genua. Genua hat eine Krippenkultur, die so interessant ist wie jene Neapels, die aber weit weniger bekannt ist.

Die Beziehung zu Italien soll also aufrecht bleiben?

Assmann: Auf jeden Fall. Tirol ist mit Trentino und Südtirol eine Europaregion. Ich werde mich weiterhin für Völkerverbindung einsetzen — und nicht für nationale Grenzen.