Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.10.2019


Bezirk Kufstein

Abstauben und modernisieren: Dissonanzen um Kufsteiner Operettensommer

Der Stadtrat hat sich zu einer weiteren Förderung des Kufsteiner Operettensommers bekannt und ist damit vorgeprescht. Der Tourismusverband wollte zuvor offene Fragen und eine Neuausrichtung diskutieren.

Der Stadtrat hat sich festgelegt: Der Operettensommer soll weitergehen, der TVB zögert noch.

© thomas boehmDer Stadtrat hat sich festgelegt: Der Operettensommer soll weitergehen, der TVB zögert noch.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die „Fledermaus“ und damit die Saison 2019 des Operettensommers ist Geschichte. Rund 96 Prozent (18.000 Besucher) der Aufführungen waren ausgebucht. Und während sich das Publikum auf 2020 und das Musical „Evita“ freut, gibt es im Hintergrund intensive Verhandlungen für die Zeit nach 2021. Da läuft nämlich der Vertrag mit Stadt, Stadtwerken und dem TVB aus. Derzeit zahlen diese gemeinsam etwas mehr als 300.000 Euro in die Veranstaltung hinein.

Daher wollten die Touristiker bei einer gemeinsamen Klausur Mitte Oktober mit Bürgermeister Martin Krumschnabel und anderen Stadtvertretern über die weitere Vorgangsweise reden, wie Johann Mauracher, Obmann des Tourismusverbands (TVB) Kufsteinerland, berichtet. Er machte nie einen Hehl aus seiner Meinung über den Operettensommer. Für ihn gehört die Veranstaltung abgestaubt und modernisiert. Es sollte mehr für junge Leute geboten werden. Davon wollte er die künftige Zustimmung abhängig machen, wie er gegenüber der TT in einem Telefongespräch gestern erzählte. Den Aufsichtsrat weiß er dabei hinter sich.

Und noch eines will der Aufsichtsrat: eine möglichst kurze Laufzeit des Sponsor-Vertrages, „damit wir die Möglichkeit haben, wieder auszusteigen, falls etwas schiefläuft“, bestätigt auch Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Naschberger.

Genau das wollte man mit Operettensommer-Chef Josef Resch und den Stadtverantwortlichen bei dieser Klausur diskutieren und dann entscheiden. Möglichst gemeinsam.

Der Stadtrat ist aber vorgeprescht. Wie Bürgermeister Martin Krumschnabel bestätigt, habe man bereits einen Grundsatzbeschluss für die weitere Unterstützung des Operettensommers gefasst. „Wir stehen hinter der Veranstaltung“, sagt der Stadtchef auf Anfrage der TT. Dabei ging es auch um die Frage der Laufzeit des Vertrages. Angeblich waren bis zu zehn Jahre im Gespräch. Beschlossen habe man nun, über einen Fünfjahresvertrag zu verhandeln, der sich aber automatisch um ein Jahr verlängert, wenn man nicht bis zu einem gewissen Termin kündigt. Damit besteht immer eine für die Veranstalter absehbare Restlaufzeit. Den Touristikern war dieser Beschluss offenbar entgangen und ob diese nun mitgehen, bleibt abzuwarten. Denn Mauracher ist über die Vorgangsweise erbost und auch für Naschberger ist es nicht gut, wenn die Stadt die Klausur nicht abwartet. Auch getrennte Verhandlungen der Unterstützer mit Resch sieht er kritisch. Wobei der TVB-Beitrag von rund 100.000 Euro an die acht bis zehn Prozent des Operettensommerbudgets ausmacht.

Für Stadtchef Krumschnabel ist das Ganze eher ein Missverständnis. Er habe mit dem TVB-Obmann abgesprochen, dass „dieser mitmacht, falls ich mich auf eine kurze Laufzeit einigen kann“, wie Krumschnabel sagt. Damit sei auch inhaltlich noch nichts ausverhandelt. Nur so viel: Der Beitrag der Stadt bleibt mit einer Indexanpassung gleich. Eigentlich, so Krumschnabel, habe er sich damit vom Stadtrat nur das Verhandlungsmandat bestätigen lassen.

Für Josef Resch war hingegen der Vertrag bereits im Mai reif für die Unterschriften. Nur die Laufzeit war noch nicht ganz ausdiskutiert, daher hatte man noch zugewartet. Diese fünfjährige Laufzeit sei aber für die Engagements der Künstler und die Planungssicherheit unbedingt notwendig. Was die geforderte Verjüngung des Programms angeht, wird man zunehmend auf Musicals bauen und „letztlich ist die Qualität oder das Engagement eines Weltstars eine Frage des Geldes“, so Resch.

Eines habe man wieder ad acta gelegt, wie Krumschnabel berichtet. Eigentlich wollte man eine größere Bühne für die Festung anschaffen. Das sei aber wieder fallen gelassen worden.