Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.10.2019


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Maximilian-Gedenkjahr: Was bleibt vom Jubeljahr?

Das Gedenkjahr anlässlich des 500. Todestages von Kaiser Maximilian I. neigt sich dem Ende zu. Welchen nachhaltigen Effekt hatte dieses kostspielige Spektakel und wie bleibt „der letzte Ritter“ im Gedächtnis?

Kaiser Max hinterließ der Nachwelt kostbare Kunstgegenstände.

© Thomas Boehm / TTKaiser Max hinterließ der Nachwelt kostbare Kunstgegenstände.



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Ein Jahr lang wurde mit über 250 Veranstaltungen des 500. Todestages von Kaiser Maximilian I. gedacht. Das große Abschlussfest in der Innsbrucker Altstadt am vergangenen Wochenende beendete den 5,1 Millionen Euro teuren Reigen. Die Politik zeigte sich begeistert, kein Wunder, bei all dem Aufwand, der zu Ehren des „letzten Ritters“ betrieben wurde, eines Herrschers, der ganze 27 Kriege überlebte und so viele Kinder zeugte, dass selbst Historiker keine genaue Zahl nennen können. Dieses Gedenkjahr lieferte auch interessante Beiträge zu Kaiser Maximilian I. Aber was bleibt von diesem Spektakel, wenn sich der politische Weihrauch verzogen hat?

Dem Jubeljahr fehlte es in erster Linie an einem soliden Gesamtkonzept. Schuld daran waren wohl die kurze Vorlaufzeit und vielleicht auch die mangelnde Kommunikationsfähigkeit der einzelnen Institutionen, denn fast jede kulturelle Einrichtung wollte einen eigenen Beitrag zum Max-Jahr liefern. Doch daraus ergaben sich viele inhaltliche Überschneidungen und miteinander konkurrierende Veranstaltungen.

In Tirol traf man außerdem eine besonders eigenwillige Entscheidung: Die Original-Sandsteinreliefs des Goldenen Dachls wurden für die Ausstellung „The Last Knight“ an das Metropolitan Museum of Art in New York verliehen. Es ist erfreulich, dass diese einzigartigen Kunstgegenstände nun einem sehr großen Publikum zugänglich gemacht werden. Das Interesse eines so renommierten Museums ist eine weitere Bestätigung, dass Maximilian I. mit dem Goldenen Dachl ein weltweit einzigartiges Kunstdenkmal geschaffen hat. Der Kurator der Schau, Pierre Terjanian, sagte etwa gegenüber der TT, es sei für ihn so, als hätte man den Eiffelturm nach New York getragen. Dieser „Eiffelturm“ fehlte aber wiederum im Maximilian-Jahr in Innsbruck.

Kaiser Maximilian I. schuf das einzigartige „Goldene Dachl“ in Innsbruck.
Kaiser Maximilian I. schuf das einzigartige „Goldene Dachl“ in Innsbruck.
- Thomas Boehm / TT

Manche Ausstellungen, wie jene auf Schloss Runkelstein (Südtirol), machten schlichtweg ratlos, zumal es der kleinen Schau an diesem bedeutenden Ort an interessanten Exponaten mangelte. Das berühmte „Ambraser Heldenbuch“ etwa wurde kühn in einer Glasvitrine präsentiert, um den Eindruck zu erwecken, es handle sich um das Original.

Fast alle Kuratoren waren also mit der Schwierigkeit konfrontiert, passende Leihgaben zu bekommen. Wahrscheinlich wäre es deshalb und auch aus kalkulatorischen Gründen klüger gewesen, länder­übergreifend eine große Maximilian-Schau in Innsbruck zu konzipieren. Die Ausstellung in der Hofburg „Maximilian I. – Aufbruch in die Neuzeit“ wäre ein idealer Ausgangspunkt dafür gewesen. Man hätte das Umfeld der Innsbrucker Altstadt, vor allem das Maximilianeum im Goldenen Dachl, viel besser einbeziehen können. Grundsätzlich hätte man das Gedenkjahr auch dafür nützen können, darüber zu verhandeln, ob das Original des „Ambraser Heldenbuchs“, das in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird, in seine ursprüngliche Heimat Schloss Ambras zurückgeholt werden könnte. Selbiges gilt auch für eine Vielzahl von Exponaten, die im Kunsthistorischen Museum in Wien ausgestellt werden.

Das Maximilian-Jahr bot aber auch Anlass zum Staunen. Auf ca. 800 Quadratmetern wurde in der Innsbrucker Hofburg eine sehenswerte und interaktive Ausstellung präsentiert, die das Leben des Kaisers von der Wiege bis zur Bahre empathisch nachzeichnete. Über 32.000 Besucher ließen sich diese Schau, die nun in eine Dauerausstellung umgewandelt wird, nicht entgehen. Auf Schloss Ambras konnte man eine Maximilian-Erkundungstour unternehmen und Kunstobjekte betrachten, die mit dem Kaiser in Beziehung standen. Mit „Maximilian goes digital“ wurde an der Universität Innsbruck das „Ambraser Heldenbuch“, das Grabmal in der Innsbrucker Hofkirche sowie das Kaiserdenkmal für den Dom zu Speyer multimedial aufbereitet. Das Musiktheater „Der Ritter in der weißen Rüstung“ erzählte für Kinder einfühlsam das Leben des jungen Maximilian I. nach und beeindruckte mit einem fantastischen Kinderchor. Eine wissenschaftliche Tagung präsentierte neue Denkanstöße zu Kaiser Maximilian I. und neue Publikationen erfreuen viele Leserinnen und Leser.

- Thomas Boehm / TT

Trotzdem bleibt es eine Herausforderung, eine von der Realität so weit entfernte und komplexe Persönlichkeit, wie es Kaiser Maximilian I. war, wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Die Lasershow enttäuschte durch mangelnde Inhalte, und es lohnte sich auch nicht, dem pompös plakatierten Hashtag #FollowMax500 zu folgen. Die vergleichsweise geringe Anzahl der Max-Follower auf Instagram sind ein Beleg dafür, dass ein paar Bilder und hübsch drapierte Sätze aus Kaiser Maximilian I. post mortem keinen großen Influencer mehr machen.

Auch der Max-Burger wurde nicht zum Verkaufsschlager, aber trotzdem lieferte dieses Gedenkjahr viele Denkanstöße und frischte auch die ein oder andere Anekdote über Kaiser Maximilian I. auf, etwa jene, dass er, bejubelt von der Damenwelt, die Martinswand hinaufkletterte, sich prompt verirrte, dann aber glücklicherweise von einem Engel gerettet wurde.

- Rudy De Moor

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