Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.10.2019


Kulturpolitik

Festspiele Erl unter verstärkter Kontrolle: Aufsichtsrat erneut eingesetzt

LR Palfrader kündigt die Wiedereinsetzung des Aufsichtsrats an. Lebhafte Debatte im Landtag.

Archivfoto.

© Thomas Böhm / TTArchivfoto.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Quergelesen und bald vergessen. Derlei widerfährt im politischen Alltag manchem Bericht des Landesrechnungshofes (LRH). Die Prüfung der Festspiele Erl durch den LRH wird jedoch eine Ausnahme bilden. Denn die Empfehlungen des LRH führen zu einer markanten Änderung an der Festspielspitze. In Erl wird, zwecks besserer Kontrolle, ein Aufsichtsrat (den es bis Ende 2017 schon gegeben hatte) wieder eingesetzt. Das gab Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) gestern im Landtag bekannt. Im November werde der Beschluss erfolgen.

Genauer betrachtet, wird die jetzige Dreierspitze der Festspiele, der Stiftungsrat, um zwei Personen aufgestockt. Der Aufsichtsrat umfasst demnach die Stiftungsräte Palfrader, Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner und Jürgen Meindl (Kulturministerium) plus neu zwei Landesbeamte.

Im Übrigen lieferte die Causa Gustav Kuhn – mit der sich der LRH befasst hatte, soweit es wirtschaftliche Belange berührte – im Landtag reichlich Stoff für Polemik. Fritz-Abgeordneter Markus Sint ritt heftige Attacken gegen Palfrader.

Die Ressortverantwortliche würde vor dem Erler Millioneninvestor Hans Peter Haselsteiner „katzbuckeln“, wetterte Sint. Die Landesrätin habe bei der Kontrolle der Festspiele kläglich versagt. Der LRH hatte unter anderem beanstandet, dass Ex-Intendant Kuhn seine Spesen nicht nachvollziehbar dokumentierte. Und dass er über drei Jahre privates Heizöl im Betrag von 10.000 Euro von den Festspielen bezahlen ließ.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Palfrader konterte. Sie würde sich für die Kultur in Tirol „nicht einen, sondern zehn Haselsteiners wünschen“. Dann wären viele weitere Projekte möglich. Sint hatte davor gewarnt, sich in die Abhängigkeit eines Mäzens zu begeben. Er zitierte Aussagen von Staatspreisträger Thomas Larcher in der Donnerstag-TT. Mitinhaber (wie Haselsteiner in Erl) hätten letztlich wie im Fußball das Sagen, kritisierte Larcher.

Palfrader konnte sich einen Seitenhieb auf Sint nicht verkneifen. Sie unterstellte dem Abgeordneten mangelndes Kulturverständnis. „Ich kann mir schon vorstellen, dass Sie mit einem kulturellen Mehrwert nichts anfangen können“, ätzte Palfrader.

Sint sah sich auch mit Vorwürfen von NEOS-Klubobmann Dominik Oberhofer konfrontiert. Er zieh den Fritz-Abgeordneten der Skandalisierung und der Vorverurteilung Gustav Kuhns.

Oberhofer beeilte sich anzumerken, dass er nicht im Auftrag Hans Peter Haselsteiners spreche (der die NEOS finanziell unterstützt hat). „Ich habe Haselsteiner seit eineinhalb Jahren nicht getroffen“, beteuerte Oberhofer.




Kommentieren


Schlagworte