Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.10.2019


Innsbruck-Land

Telfer Theaterfestival wird auf neue Beine gestellt

Der Telfer Gemeinderat stimmte klar für die Gründung der gemeinnützigen Volksschauspiel GmbH. Die Opposition ortet fehlende Kontrollmechanismen.

Die Tiroler Volksschauspiele als überregionales Aushängeschild der Marktgemeinde Telfs sollen nachhaltig abgesichert werden.

© Bernd SchranzDie Tiroler Volksschauspiele als überregionales Aushängeschild der Marktgemeinde Telfs sollen nachhaltig abgesichert werden.



Telfs – Mit breiter 16:5-Mehrheit hat der Telfer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die neuen Strukturen für Tirols größtes Theaterfestival abgesegnet: Er beschloss die Gründung der gemeinnützigen Tiroler Volksschauspiel GmbH als 100-%-Tochter der Marktgemeinde. Die bestehende Vereinsstruktur wird, wie berichtet, aufgelöst.

Es gehe darum, „die Marke Tiroler Volksschauspiele langfristig abzusichern“, betont BM Christian Härting (Wir für Telfs). Hier sei die gemeinnützige Gesellschaft in Sachen Wirtschaftlichkeit und Transparenz inklusive Compliance-Regeln der richtige Schritt.

Seitens der Opposition setzte es einiges an Kritik – nicht an der Arbeit der Volksschauspiele, sondern an der Struktur: „Bei GmbHs gibt es keine Kontrollrechte für den Gemeinderat“, erklärt GV Angelika Mader (ÖVP), das bemängle man schon bei den Gemeindewerken oder beim Telfer Bad. Zudem sei „nicht festgelegt, wer für Abgänge verantwortlich ist“.

GV Michael Ebenbichler (FPÖ) stört sich auch an der Vorgangsweise der Gemeindeführung: Man sei von den GmbH-Plänen „überrumpelt“ worden, habe aus der Zeitung davon erfahren. Den Errichtungsvertrag habe man erst am Tag der Sitzung erhalten. Generell sei „nie davon die Rede gewesen, dass die Gemeinde selbst eine gemeinnützige GmbH gründet“. Auch der halbe Expertenbeirat stehe schon fest, ohne dass Gemeinderat oder -vorstand davon erfahren hätten. Und: „Ein etwaiges Defizit bleibt bei der Gemeinde hängen.“ Auch GR Norbert Tanzer (PZT/SPÖ) kritisiert, dass der Gemeinderat „völlig außen vor“ bleibe, obwohl es um Steuermittel gehe.

„Es wurden sehr wohl Kontrollmechanismen installiert“, kontert BM Härting. Der (maximal zehnköpfige) Expertenbeirat werde nicht nur die Geschäftsführung beraten, sondern auch eine Controllingfunktion samt Belegprüfungen ausüben. Und die Hauptkontrolle liege bei der Gesellschafterversammlung: „Rechtlich ist der Bürgermeister zwar alleiniger Eigentümervertreter, aber ich habe mich freiwillig daran gebunden, dass die acht Gemeindevorstände die Gesellschafterversammlung bilden und mit Mehrheit entscheiden.“ Überdies bestehe eine Berichtspflicht der GmbH an den Gemeinderat.

„Wir sind so breit aufgestellt, dass viele Fördergeber integriert sind“, ergänzt Härting. Die Gemeinde sei zwar Alleineigentümerin, aber das Land fungiere als ebenbürtiger Partner, auch Bund und TVB Innsbruck seien als Subventionsgeber dabei. Sollte die GmbH Abgänge produzieren, seien also auch andere Geldgeber mit in der Verantwortung.

Geschäftsführerin der GmbH wird, wie berichtet, Ruth Haas, bisher Referatsleiterin für Wirtschaft und Kultur bei der Marktgemeinde. Ihr folgt Claudia Mark als Abteilungsleiterin nach. (md)


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