Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2013


Kulturpolitik

Streit um das Erbe des Bierstindl

Mit den 700.000 Euro Restvermögen des einstigen Bierstindl-Vereins soll Kultur gefördert werden. Doch schon die erste Vergabe gerät zur Farce.

© Andreas Rottensteiner / TTDas Kulturgasthaus Bierstindl ist derzeit Baustelle: Wann die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung es wieder eröffnet, ist noch unbekannt. Foto: Rottensteiner



Von Ivona Jelcic

Innsbruck – Am Fuße des Bergisel verstellen allerlei Baugerätschaften den Blick auf verlotterte Kulturgast- haus-Schilder: Der neue Eigentümer der Liegenschaft, die Münchner Haberland-Wagner-Stiftung, lässt das Gebäude derzeit renovieren. Aber es gibt neben marodem Mauerwerk ja auch noch den Geist des Bier­stindl, den sich der Verein „kulturimpulstirol“ hochzuhalten vorgenommen hat: Aus dem Restvermögen des einstigen Bierstindl-Trägervereins (rund 700.000 Euro) sollen Kulturprojekte, die „den Idealen des ehemaligen Kulturgasthauses Bierstindl entsprechen“, mit jährlich rund 50.000 Euro gefördert werden.

Gut ein halbes Jahr nach dieser Ankündigung scheint vom Ideal der unabhängigen und professionell organisierten Kulturförderung jedoch nicht viel übrig: Drei von vier Mitgliedern des eigens eingesetzten Jury-Beirats üben auf TT-Nachfrage nach dem Verbleib der Ergebnisse (eine Veröffentlichung war Mitte Mai geplant) scharfe Kritik am Vorstand. Ihre Entscheidung sei bereits Ende April vorgelegen, heißt es in dem schriftlichen Statement. Vom Vorstand kamen jedoch Einwände: Konkret gegen ein Projekt, eingereicht vom Verein „8ung Kultur“ des früheren Bierstindl-Leiters Robert Renk. Man habe sie aufgefordert, diese Entscheidung zurückzunehmen, so die Beiräte Matthias Breit, Leiter des Gemeindemuseums Absam, und die Journalisten Benedikt Sauer und Irene Heisz.

Was Kulturimpulstirol-Obmann Joachim Tschütscher bestreitet: „Wir haben lediglich Bedenken angemeldet.“ Schließlich hätten auch andere ehemalige Bierstindl-Mitglieder eingereicht, seien aber nicht ausgewählt worden. Man habe befürchtet, sie könnten sich „vor den Kopf gestoßen fühlen. Es ging ums Klimatische“, so Tschütscher. Dass die Jury bei ihrer Entscheidung geblieben ist, habe man zur Kenntnis genommen. Renk erhielt dennoch eine schriftliche Absage durch den Vorstand – „ein Versehen“, bedauert Tschütscher. Dem zehn Tage später eine Zusage folgte. Da hatte Renk das Projekt laut Beirat aber schon abgesagt – eine zeitliche Verschiebung wollte wiederum der Vorstand nicht akzeptieren.

Dass der Förderbeirat „verbindlich entscheidet“, hatte Tschütscher bei der Projektvorstellung im Februar besonders betont. Darauf und auch auf die Geschäftsordnung berufen sich die Beiräte und haben ihre Funktion am Dienstag ruhend gestellt. Lediglich ein „Entwurf“ ist die Geschäftsordnung für Tschütscher, die Verbindlichkeit werde man „überprüfen müssen“.

Unter Berufung auf die Richtlinien wurden übrigens zwei weitere Projekte abgelehnt, womit der für 2013 ausgeschüttete Gesamtbetrag um 12.000 Euro unter den avisierten 50.000 liegt. Eine Nachreihung anderer Projekte hat der Vorstand abgelehnt. Klärende Gespräche soll es im September geben.




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