Letztes Update am Do, 07.11.2013 14:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kulturpolitik

„Lasse mir Tradition nicht kriminalisieren“



Innsbruck – Per Aussendung meldete sich am Dienstag erstmals Landeshauptmann Günther Platter zum Umgang der Landesregierung mit dem NS-Gutachten des Historikers Michael Wedekind zu Wort. „Mit der Einrichtung eines Förderschwerpunktes zur ,Erinnerungskultur‘ tragen wir den Erkenntnissen des Gutachtens Rechnung“, heißt es in dem Schreiben von Platter und LR Beate Palfrader. Tirol nehme seine Verantwortung zur Aufarbeitung wahr.

Wedekind hatte zuletzt konkrete Maßnahmen vermisst, zu seinen im Gutachten formulierten Empfehlungen gehören etwa ein Langzeitforschungsprojekt und – im Hinblick auf die enge Verflechtung von Volkskultur und Politik – eine historische Analyse der Kulturpolitik. Eine solche ist in Platters Replik kein Thema. Er sieht vielmehr „Tiroler Brauchtum und Tradition pauschal in ein rechtes Eck“ gestellt. „Ich lasse mir Tiroler Brauchtum und Tradition und insbesondere unsere Traditions- und Trachtenverbände nicht kriminalisieren“, empört sich der Landes-Chef, der ein „klares Bekenntnis u. a. „zur festlichen Gestaltung landesüblicher Empfänge“ abgibt. In Tirol müsse „Platz sein für beides, Tradition und Moderne“.

Kritik an Platters Reaktion kam postwendend von der SPÖ: Das Gutachten sei „offenbar kritischer ausgefallen als von der Landesregierung erwartet“, so LA Thomas Pupp. Jetzt würde man „diejenigen, die eine Aufarbeitung und Umsetzung des Gutachtens“ fordern, „pauschal diffamieren“. Platter müsse auch als Präsident des Trachten- und Blasmusikverbandes „mehr Verantwortung“ an den Tag legen. Aus Sicht von VP-Klubobmann Jakob Wolf wiederum „pfeift“ die SPÖ auf Tiroler Traditionsverbände. (jel)




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