Letztes Update am Fr, 18.04.2014 12:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kulturpolitik

Frühlingserwachen im Bierstindl

Nach dreijähriger Schließzeit wird das Kulturgasthaus Bierstindl Ende Mai wiedereröffnet. Das freut auch die Innsbrucker Ritterspiele.



Von Christiane Fasching

Innsbruck – Am Fuße des Bergisel rollen bald wieder die Köpfe: Nach drei Jahren kehren nämlich die Innsbrucker Ritterspiele mit ihrem Traditionsstück „Der schurkische Kuno“ ins Kulturgasthaus Bierstindl zurück. Damit geht eine Odyssee zu Ende, die im Spätherbst 2010 mit der Schließung des Bierstindl begonnen hatte. Ein Schuldenberg in der Höhe von 475.000 Euro hatte damals das Aus der Innsbrucker Kulturinstitution besiegelt – und nicht nur die Innsbrucker Ritterspiele, sondern auch 15 andere Vereine obdachlos gemacht.

„Das war eine schreckliche Zeit“, denkt Ulla Baumgartner, die stellvertretende Obfrau der Ritterspiele, an die vergangenen Jahre zurück. Nach dem Auszug aus dem Bierstindl waren die leidenschaftlichen Laien verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Spielstätte, kaum war diese mit dem Event-Stadl im Kranebitterhof gefunden, fiel dieser aber einem Brand zum Opfer. Für Einzelvorstellungen kam man zwar im Treibhaus, im Kellertheater oder in den Ursulinensälen unter, doch eine Dauerlösung blieb eine Wunschvorstellung. „Umso mehr freuen wir uns, bald wieder regelmäßig auf unserer Heimatbühne spielen zu können“, fiebert Baumgartner der bevorstehenden Kuno-Premiere am 13. Juni entgegen. Doch bevor der „schröckliche“ Schurke erneut seinen Kopf verliert, muss erst einmal das Kulturgasthaus wieder eröffnet werden. Möglich macht das die Münchner Edith-Haberland-Stiftung, die – wie die TT berichtete – die Liegenschaft Anfang 2011 gekauft hatte. Damals hieß es, dass auch die Kultur nach umfangreicher Renovierung wieder im Haus Platz finden sollte. In welcher Form war bisher aber nicht zu erfahren.

Vorerst steht das gastronomische Konzept im Vordergrund – für dieses zeichnet Burkhard Pederiva, der Pächter und Geschäftsleiter des „Stiftskellers“, verantwortlich. Das Restaurant und Bierlokal in der Innsbrucker Altstadt ist übrigens ebenfalls im Besitz der Haberland-Stiftung. Im Bierstindl will Pederiva mit gutbürgerlicher Küche und „Innsbrucks schönstem Gastgarten“ punkten – die Wiedereröffnung soll am 23. Mai über die Bühne gehen. Ob neben den Innsbrucker Ritterspielen auch noch andere Bierstindl-vertraute Vereine das umgebaute Kultur- gasthaus nutzen werden, steht aber noch in den Sternen. „Jetzt geht es zunächst einmal darum, dass wir aufsperren, alles andere muss erst wachsen“, sagt der Gastronom, der zu gegebener Zeit auch ein kulturelles Konzept erarbeiten will. Dass die Ritterspiele wieder zurückkehren, freut Pederiva aber sehr. „Die sind schon so lange mit dem Haus verbunden, das passt einfach.“

Passend gemacht wird derzeit noch das Innen- und Außenleben des Bierstindl: In neuem Glanz sollen dem Vernehmen nach nicht nur der Gastgarten und die Stuben im Erdgeschoß erstrahlen, renoviert wurden und werden auch der Theatersaal und so mancher Stollen, der bislang unbenutzt geblieben war.




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