Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.08.2016


Architektur

Ein neues Haus, das tut, als wäre es schon immer da

Nominierungen für gleich zwei Architekturpreise lassen vermuten, dass Bernardo Bader beim Steinberger Dorfhaus alles richtig gemacht hat.

© Richard Günter WettSteht da, als wäre es immer schon dagewesen: das neue Dorfhaus von Steinberg am Rofan .



Von Edith Schlocker

Steinberg am Rofan – Einen Nahversorger gibt es in Steinberg am Rofan schon lange nicht mehr und auch der Kirchenwirt hat schon vor vielen Jahren zugesperrt. Damit das 300-Seelen-Dorf nicht stirbt, musste etwas geschehen. Was, sollten allerdings die Steinberger im Rahmen eines von der Dorferneuerung des Landes unterstützten und professionell moderierten Zukunftsdialogs selbst entscheiden. Von drei in dessen Rahmen erarbeiteten Projekten hat sich die Bevölkerung mit großer Mehrheit für die Belebung des Dorfzentrums durch ein neues Dorfhaus entschieden, das genauso ein Gasthaus sein wie einen Bauernladen und einen multifunktional bespielbaren Saal enthalten sollte.

Das war 2012, ein Jahr, bevor die Gemeinde einen geladenen Architektenwettbewerb ausgelobt hat, den mit dem Vorarlberger Bernardo Bader der einzige Nicht-Tiroler gewonnen hat. Mit einem wunderbar stimmigen Projekt, das er wie selbstverständlich, so als wäre es immer schon da gewesen, neben die etwas erhöht stehende Kirche, das Gemeindehaus und die Schule gestellt hat. Um auf diese Weise ortsräumlich perfekt eine neue Dorfmitte zu definieren, inklusive eines kleinen, reizvoll urban gepflasterten Platzes.

Einzige Vorgabe beim Architektenwettbewerb war das Satteldach, das das neue Dorfhaus haben sollte. Dass es zum größten Teil aus dem Holz der Lärchen, die im nahen Steinberger Wald geschlägert wurden, gebaut ist, gefällt dem Steinberger Bürgermeister Helmut Margreiter naturgemäß sehr. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass die unregelmäßig breiten Latten, mit denen das aus vorgefertigten Holzmodulen errichtete Dorfhaus innen und außen vertikal verkleidet ist, in wenigen Jahren wie die Bauernhäuser der Umgebung malerisch vergraut sein werden.

Aber auch in seiner inneren Struktur hat das neue Dorfhaus mit den Bauernhäusern der Region zu tun. Der Wohntrakt wird hier zum Gasthaus, die Tenne wandelt sich zum raumhoch verglasten Foyer, der Stall zum großen, multifunktional bespielbaren Saal. Er ist bis unter das Satteldach offen genauso wie die originell möblierte Gaststube, die sich durch zwei riesige Fenster zum Gastgarten bzw. Parkplatz öffnet. Dem Rist folgend ist der „Wohntrakt“ vertikal geteilt. Hinter der Bar sind die Küche und Nebenräume eingerichtet, in dem über das Foyer durch eine hölzerne Stiege erschlossenen ersten Stock die WCs und Technikräume. Wie die alten Steinberger Bauernhäuser ist auch das neue Dorfhaus ein Hybrid. Wobei hier sämtliche erdberührende Teile nicht gemauert, sondern betoniert sind.

Das Dorfhaus von Steinberg am Rofan ist nicht nur eines von drei innovativen Beispiele heutigen Bauens in Tirol, die für einen ZV-Bauherrenpreis nominiert sind, sondern auch eines von 24 Projekten, die darauf hoffen können, am 21. September im Innsbrucker aut. architektur und tirol mit einer Auszeichnung des Landes Tirol prämiert zu werden.