Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.08.2017


Bezirk Landeck

Stanzer Barockbaumeister lebt auf

Die Heimatregion von Jakob Prandtauer vergaß 2010 auf eine Würdigung zum 350. Geburtstag. Dafür verfasste die Wiener Autorin Huberta Weigl ein 900-Seiten-Manuskript, das heuer in Buchform erscheint.

© WenzelBlick in den Prälatenhof von Stift Melk: Jakob Prandtauer hat 16 Jahre am Umbau der Klosteranlage gearbeitet – bis zu seinem Tod 1726.



Von Helmut Wenzel

Stanz bei Landeck, Melk –Ach ja, der Prandtauer, von da oben im Stanzer Zwetschkendorf, der hat irgendwas mit dem Stift Melk zu tun.“ Antworten wie diese waren kürzlich am Landecker Frischemarkt zu hören. Fazit: Jako­b Prandtauer (1660–1726) aus Stanz ist in seiner Heimatregion zwar nicht komplett vergessen, das Wissen über den außergewöhnlichen Barockbaumeister hält sich allerdings in Grenzen.

Während St. Pölten im Sommer 2010 mit einem Veranstaltungsreigen an den 350. Geburtstag Prandtauers erinnerte, wurde er in seiner Heimatregion schlichtweg vergessen. Auch der Bezirksmuseumsverein sah sich nicht veranlasst, die Leistungen des Stanzers ins rechte Licht zu rücken. Dabei lebte der junge Prandtauer mindestens 20 Jahre im Raum Landeck. Dokumentiert ist etwa seine Maurerlehre von 1677 bis 1680 in Schnann bei Georg Asam.

Prandtauer-Porträt, Anfang 19. Jahrhundert, der Maler ist unbekannt.
- Wenzel

Zwei Projekte könnten dafür sorgen, dass der Baumeister und Architekt stärker im Bewusstsein der Region verankert wird. Der Museumsverein konzipiert für 2018 eine Ausstellung auf Schloss Landeck – die TT berichtete. Die dortige Serfauser- bzw. Tirolerstube soll in die geplante Dauerausstellung integriert werden, wie Obmann Christian Rudig am Donnerstag bestätigte. Die Besucher dürfen dann auch über bisher wenig bekannte Requisiten wie Baupläne staunen.

Die bisher letzte Buchpublikation über den Barockbaumeister erschien 1926. Das stellte die Kunsthistorikerin und Autorin Huberta Weigl aus Wien kürzlich am Rande einer Filmaufzeichnung in Melk fest. Etwa 20 Jahre forschte und recherchierte sie aus Eigeninteresse und auch aus „Begeisterung über den Tiroler Ausnahmekönner“ in diversen Klosterbibliotheken. Womit sie sich einen Ruf als führende Prandtauer-Expertin erarbeitet hat. Ihr Buch-Projekt „Jakob Prandtauer – das Werk des Klosterbaumeisters“ umfasst 900 Seiten. Die Manuskripte sollen noch heuer gedruckt und in zwei großformatigen Buch-Bänden publiziert werden.

Auch wenn etliche Spenden eintrafen, ist die finanzielle Unterstützung bisher nicht unbedingt üppig ausgefallen. Derzeit fehlen der beruflich selbstständigen Autorin noch 6340 Euro auf das Projekt mit Gesamtkosten von 50.340 Euro. „Dabei verdiene ich keinen einzigen Cent“, verrät Weigl. „Bedauerlich war auch, dass ich in Österreich keinen Verlag finden konnte.“ Also schloss sie den Vertrag mit einem deutschen Verlag ab.

Die Expertin hat sich nicht nur mit dem sichtbaren Nachlass befasst – etwa mit den Klosteranlagen von Melk bis St. Florian, Kremsmünster, Herzogenburg oder mit dem Jagdschloss Hohenbrunn. „Es ist nicht nur ein Buch über die Baugeschichte. Mich hat auch die menschliche Seite des Jakob Prandtauer interessiert“, schildert sie. „Auf den Baustellen wurde auch gestritten, gekämpft und gefeilscht. Prandtauer war dabei ein konsequenter Unternehmer und Manager.“