Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.11.2017


Architektur

Die Moderne bodenständig weitergedacht

Wilhelm Stigler sen. im Innsbrucker Archiv für Baukunst: Tiroler Architektur zwischen Tradition und Moderne.

© Archiv für BaukunstElegant geschwungenes Stiegendetail von Wilhelm Stigler.



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Mit Wilhelm Stigler sen. (1903–1976) widmet sich das universitäre Archiv für Baukunst in seiner aktuellen Ausstellung einem der wichtigen Tiroler Architekten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der, wie auf ihre Weise auch Lois Welzenbacher, Clemens Holzmeister und Franz Baumann, international in der Luft liegende baukünstlerische Tendenzen aufgriff und auf sehr persönliche – tirolisch heimatverbundene – Art und Weise interpretierte.

Studiert hat der 1903 in Oberösterreich geborene Stigler in München, um bereits während seiner Studienjahre im Büro von Clemens Holzmeister zu arbeiten, bevor er 1926 in Mühlau sein Bür­o eröffnet hat. Mit dem er schon bald sehr erfolgreich wurde, besonders mit seinen geschickt zwischen Tradition und Moderne angesiedelten Einfamilienhäusern, aber auch seinen Industriebauten, Bergbahnen und Hotels.

Die Schau ist mit formal wunderschönen Entwurfszeichnungen und Plänen für diese in den 30er-Jahren entstandenen Projekte bestückt. Von Stigler gesamtkunstwerklich angelegt, indem er am liebsten vom städtebaulichen Ansatz bis zum Sofakissen jedes Detail eigenhändig entwarf. Die Zeichnungen machen klar, dass es Wilhelm Stigler gern bodenständig mochte. Die Stuben haben Kachelöfen und schwere hölzerne Möbel, nur bei der Wahl der Lampen zeigt sich leise ein avantgardistischer Zug. Das beste Werk aus dieser frühen Phase ist die 1936/37 wunderbar in die Hungerburger Topografie geschmiegte – fast original erhaltene – Villa Pischl.

Die Schau verschweigt aber auch nicht, dass Stigler ein glühender Nationalsozialist war, was ihm nach dem Krieg für einige Jahre Berufsverbot einbringen sollte. Nicht zuletzt durch die Mitarbeit seines Sohnes und seiner Schwiegertochter wandelte sich in den 50er-Jahren die Architektursprache des Büro zeitgenössisch. Beispiele dafür sind die Innsbrucker Markthalle mit ihren charakteristischen Lamellen und die der Rundung der Straße folgende Rhombergpassage.




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