Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.12.2017


Architektur

Ein Osttiroler überzeugt mit Wolke 7

Der Cateringpavillon „Wolke 7“ in der Anlage von Schloss Grafenegg in Niederösterreich wurde heuer mit dem Bauherrenpreis ausgezeichnet. Zum Kopf des Architektenteams zählt Ernst J. Fuchs aus Anras.

© UnterwegerDas Arbeitsmodell des Projekts „Wolke 7“ bei der Präsentation des Bauherrenpreises 2017.



Von Peter Unterweger

Anras, Wien – Vor zehn Jahren entstand der Wolkenturm im Park von Schloss Grafenegg. Der Plan dieser außergewöhnlichen Konzertarena stammt vom Büro „the next ENTERprise Architects“. Kopf des Teams ist – neben Marie-Therese Harnoncourt – Ernst J. Fuchs aus Anras.

Auf dem Weg zum Wolkenturm befindet sich der Pavillon „Wolke 7“, der heuer mit dem Bauherrenpreis ausgezeichnet wurde. Die Jury lobt die Umsetzung: „Im Wechselspiel mit der Natur und unter Berücksichtigung der funktionalen Anforderungen wurde ein äußerst innovatives Projekt und ein außergewöhnlicher Ort geschaffen.“

„Wir wollten etwas Offenes, ohne Vorder- und Rückseit­e in dem Park“, erzählt Architekt Fuchs. Das Bauwerk wurde zwischen die Bäume gefädelt. Die vorgegebene Form findet sich wieder im aus einem Stück gegossenen Schirm. Um diesen möglichst dünn zu halten, setzten die Planer auf eine „gebaute Biegeform“, achteten auf geringe Spannung im Material. „Wir haben ein Blatt Papier auf das Modell gelegt und die natürliche Formung nachempfunden“, verrät Fuchs.

Im Atelier: Der Osttiroler Ernst J. Fuchs arbeitet und lebt in Wien.
- Unterweger

Das Atelier des Architekten liegt im 2. Wiener Gemeindebezirk, das mit Mengen von Architekturmodellen ausstaffiert ist. Öffnet Fuchs die Flügeltüren seines Büros, gelangt er in einen kleinen Garten. Vom Wurstelprater kann er die Lust- und Angstschreie der Gäste im Vergnügungspark hören, die sich an den diversen Attraktionen einen Adrenalinkick holen. Acht Mitarbeiter zählt das Büro, im Team ist auch der Matreier Markus Bodenwinkler. Und ein gebürtiger Osttiroler sorgt für die rechte Präsentation der Arbeiten im Bild. Alle Fotos aus dem Atelier von tnE stammen vom Architektur­fotografen Lukas Schaller aus dem Villgratental.

Die Arbeit der Architekten wurde mit honorigen Einladungen geadelt: Dreimal war Fuchs bei der Architekturbiennale in Venedig vertreten. Im Vorjahr waren die tnE-Architekten eine der drei Gruppen, die für den Österreich-Pavillon ausgewählt waren.

Geboren ist Ernst J. Fuchs in Anras. In Innsbruck besuchte er die Kunsthandwerksschule. Die Ausbildung zum Tischler schloss er mit der Meisterprüfung ab. Diese Erfahrungen prägen heute sein Rollenverständnis als Architekt im Umgang mit Handwerkern. Im zweiten Bildungsweg holte Fuchs die Matura nach. An der Kunstuni in Linz befasste er sich mit Innenarchitektur, an der Universität für Angewandte Kunst in Wien studierte er Architektur, bei Wolf Prix machte er sein Diplom. Inzwischen lehrte Fuchs selbst als Gastprofessor in Bratislava und Wien. Ins Pustertal kommt er vornehmlich, um seine Mutter zu besuchen.

Auf dem Weg zum Erfolg verweist Fuchs auf wesentliche Projekte. Zur Entlastung des Natursees wurde in Kaltern ein beachtenswertes Seebad geplant. Die tnE-Architekten schlugen statt des gewünschten Hallenbades ein Freibad vor. Die Becken wurden in die obere Stufe der Anlage verlegt, was Raum für öffentliche Events schuf. Ein anderer Bauherr wollte auf seinem Haus im 19. Bezirk ein Schwimmbad auf dem Dach. Heute ist er glücklich mit der Lösung der tnE-­Architekten: Das Schwimmbecken wurd­e teils in den Keller, teils in den Garten verlegt. In einer niederösterreichischen Gemeinde war ein Zaun als Abgrenzung zu einem Wirtschaftsbereich gefragt. Die Architekten reihten Beton-Brunnenringe aneinander, nannten das Objekt „Blindgänger“ und schufen damit eine beliebte Anlage für Jugendliche.

„Wir haben ein Blatt Papier auf das Modell gelegt und die natürliche Formung nachempfunden“, sagt Ernst J. Fuchs (Architekt).
- Unterweger

Ein neun Meter langes, aufblasbares Objekt schuf tnE für St. Pölten. Es funktioniert als Bar und dient gleichzeitig als Sitzgelegenheit. Ohne Luft bleibt ein kleines, leicht zu transportierendes Packerl übrig. Es fand schon den Weg bis Los Angeles.

Bei der Schau „Wien von oben“ im Museum am Karlsplatz heimste das Büro für die Ausstellungsarchitektur viel Anerkennung ein. Für die Ausstellung „Trespassing“ in der Secession in Wien kreierte es die Audiolounge, ein rollbares Objekt aus Schaumstoff, in das Lautsprecher integriert waren. Durch die Umgestaltung des Foyers des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien schufen die Architekten klare Strukturen und eine Inszenierung der Skulpturen im Kassenraum durch podest­artige Umrandungen.

Aktuell zeichnen die tnE-Architekten für die Ausstellungsarchitektur bei „Du und Ich, dort und da“ im ZOOM Kindermuseum im Wiener Museumsquartier verantwortlich.

Bis 11. Jänner sind die ausgezeichneten Projekte des Bauherrenpreises 2017 im Ringturm am Schottenring in Wien zu sehen.