Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.09.2018


“Grottenbad“

„Die Optik für die Stadt ist nicht optimal“

Als Konsequenz der Zerstörung des Lackner-Bades sollen die wichtigen Tiroler Bauten der Nachkriegsmoderne inventarisiert werden.

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© schlocker



Von Edith Schlocker

Innsbruck – Architekt Rainer Köberl und die Architekturhistorikerin Bettina Schlorhaufer haben sich in ihrem vor drei Jahren von der Stadt Innsbruck in Auftrag gegebenen Gutachten über Paul Floras Wohnhaus und das an dieses von Josef Lackner 1969/70 angebaute „Grottenbad“ viel angetan. Um auf 116 Seiten das landeskundliche Interesse an diesem einzigartigen Ensemble beziehungsweise Möglichkeiten seiner Nachnutzung aufzuzeigen. Groß genauso wie klein gedachte, öffentlich oder privat genutzte, das weitere Areal einbeziehende oder sich auf das Haus plus Bad beschränkende.

2015 haben die beiden ihr Gutachten den Vertretern von Stadt und Denkmalamt vorgestellt, und „alle waren begeistert“, so Köberl. Doch geschehen ist bis vergangenen Freitag nichts, als, wie berichtet, ein fallender Baum das Architekturjuwel unwiederbringlich zerstört hatte. Knapp vor dem Zeitpunkt, an dem es mit der Unter-Schutz-Stellung des Ensembles ernst geworden wäre.

„Die Optik für die Stadt ist nicht optimal“, kommentiert Innsbrucks BM Georg Willi das Vorgehen seiner Amtsvorgänger vorsichtig. Sei mit dem Lackner-Bad doch ein für die Stadt „ganz wichtiger Bau“ zerstört worden. Kurzzeitig angestellte Überlegungen, das Ensemble Fritz Schwaighofer abzukaufen, der dieses 2015 von den Flora-Erben erworben hatte, seien aber letztlich am Preis gescheitert, dessen Höhe in keinem Verhältnis zum möglichen Nutzen für die Stadt gestanden wäre, so Willi. Gescheitert sind aber auch Gespräche, private Investoren für eine öffentliche Nachnutzung des Areals an Land zu ziehen.

„Wir fühlen uns hintergangen, haben den Abbruch nicht kommen sehen“, wäscht der ehemalige Innsbrucker Planungsstadtrat Gerhard Fritz seine Hände in Unschuld. Das Verwaltungsverfahren, das Schwaighofer nun aufgebrummt wird, dürfte diesem allerdings nicht weh tun angesichts des Profits, den er mit einer Neubebauung des Areals lukrieren wird. „Wer so mit architektonisch wertvoller Bausubstanz umgeht, den wird man sich merken“, stellt BM Georg Willi Fritz Schwaighofer die Rute ins Fenster.

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Ob eine Unter-Schutz-Stellung des um das Bad beraubten Ensembles nun überhaupt weiterverfolgt wird, steht laut Denkmalschützer Walter Hauser in den Sternen. „Schwaighofer hat uns sehr schlau ausgetrickst“, indem er „mit Gefahr in Verzug“ argumentierte, um sich des Baums zu entledigen, der dann „ganz zufällig“ auf die Kuppel des „Grottenbades“ gefallen ist und es in einen Trümmerhaufen verwandelt hat.

Als einzige erfreuliche Konsequenz aus dieser traurigen Geschichte will Hauser in einer gemeinsamen Anstrengung von Stadt, Land und Denkmalamt nun eine Inventarisierung sämtlicher erhaltenswerter Tiroler Bauten der Nachkriegsmoderne in Angriff nehmen. Bereits kommende Woche wird diesbezüglich eine erste Teamsitzung stattfinden.

Denn „es brennt an allen Ecken und Enden“, so Tirols oberster Denkmalschützer und „man ist immer zu spät“. Man denke etwa an Josef Lackners 1963 eröffnetes „Sigmund-Kripp-Haus“, das 2003 einem gesichtslosen Neubau weichen musste, oder an das architektonisch einzigartige Gebäude aus den frühen 60er-Jahren im Innsbrucker Saggen, in dem das Italienische Generalkonsulat logierte und das einer in seiner Unsäglichkeit kaum zu übertreffenden Karikatur eines feudalen gründerzeitlichen Wohnhauses weichen musste.