Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.12.2018


Bezirk Reutte

Zuschlag für Weltrekordbrücke ging an Reuttener Architekten

„Walch und Partner“ gewannen in Bietergemeinschaft ein europaweites Vergabeverfahren für eine Megafußgängerhängebrücke im Norden Bayerns.

Eine Abordnung aus dem Frankenland mit Landrat Oliver Bär (5.?v.?l.) an der Spitze holte sich auf Ehrenberg Informationen zur Alltagstauglichkeit der Highline 179. Die Brücke in Bayern wird mit einem Kilometer mehr als doppelt so lang werden.

© Mittermayr HelmutEine Abordnung aus dem Frankenland mit Landrat Oliver Bär (5.?v.?l.) an der Spitze holte sich auf Ehrenberg Informationen zur Alltagstauglichkeit der Highline 179. Die Brücke in Bayern wird mit einem Kilometer mehr als doppelt so lang werden.



Von Helmut Mittermayr

Reutte, Hof – Mit großen Mehrheiten stimmten die Bürger von Issigau und Lichtenberg im Herbst für den Bau zweier Hängebrücken im Frankenwald. Der positive Bürgerentscheid hatte Auswirkungen auf kluge Köpfe im über 400 Kilometer entfernten Außerfern. Denn das Reuttener Büro „Architektur Walch und Partner“ war vom Stuttgarter Ingenieurbüro „sbp schlaich bergermann partner“ zur Mitarbeit im Vergabeverfahren eingeladen worden. Gemeinsam hatte die baden-württembergisch-tirolische Bietergemeinschaft die europaweite Ausschreibung gegen vier Mitbewerber gewonnen. „sbp“ hat sich als Seiltragswerkbauer einen Namen gemacht – etwa mit der Errichtung des Olympiastadion­s in Münche­n.

Der Landkreis Hof schätzt die Kosten für die Brücken über das Höllen- und das Lohbachtal auf zwölf Millionen Euro und rechnet mit bis zu 300.000 Besuchern pro Jahr. Das Hängebrückenvorhaben wird vom Freistaat Bayern zu 80 Prozent gefördert, um die strukturschwache Region touristisch zu befeuern. Als Bauherr tritt der Landkreis Hof selbst in Erscheinung, entscheidender Schwungradantreiber ist der dortige CSU-Landrat Oliver Bär.

Das Megaprojekt in Norden Bayerns wird die Dimensio­n aller weltweit bisher bekannten Gehänge sprengen. Ein­e der beiden Brücken wird noch überschaubare 400 Meter lang sein, die anschließende zweite über einen Kilometer. „Das wird spannend“, will der Reuttener Architekt Alexander Wasle seine Vorfreude gar nicht verbergen. Thomas Strele weiter: „Die Hänge­brücke wird 140 m über Grund über ein Naturschutzgebiet geführt.“ Das deutsche Ingenieurbüro „sbp“ setzte bei „Walch und Partner“ auf das über Jahre erarbeitete High­line-179-Know-how. Denn das statische Berechnen einer Riesenbrücke sei eine Sache, sagt Wasle. Das „Rundherum eine andere“, weiß Strele. Fragen von Wintertauglichkeit, Absturzsicherung, Ausblick, Kassensysteme, Sicherheit, Zugänge – all das gehe über die reine Konstruktion weit hinaus, in der aber ebenfalls eine Reuttener Handschrift sichtbar werden könnte.