Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 23.01.2019


Innsbruck

Ein Gotteshaus und seine wechselvolle Geschichte

In einem neuen Film beleuchtet Walter Schipflinger die Alte Höttinger Pfarrkirche aus allen Blickwinkeln – morgen wird das Werk präsentiert.

Moderne Drohnenaufnahmen der Alten Höttinger Pfarrkirche sind ebenso zu sehen wie historische Bilder.

© PerktoldModerne Drohnenaufnahmen der Alten Höttinger Pfarrkirche sind ebenso zu sehen wie historische Bilder.



Innsbruck – Über Jahre hat er – mit Unterbrechungen – intensiv daran gearbeitet, morgen Donnerstag ist es für Walter Schipflinger aus Hötting nun so weit: Um 19 Uhr präsentiert er in der Neuen Pfarrkirche Hötting seinen Film „Die Kirche zu Hettingen“.

Dieser erzählt in Bildern, Text und Musik die wechselvolle Geschichte der Alten Höttinger Kirche über die Jahrhunderte hinweg. „Schon 2011, als ich einen Film zum 100-Jahr-Jubiläum der Neuen Pfarrkirche Hötting vorstellte, hatte ich die Idee, auch einen über die alte Kirche zu gestalten.“ Nach längeren Gesprächen mit dem damaligen Pfarrer Werner Seifert begann Schipflinger, eigentlich Goldschmied und „Amateur“, wie er bescheiden meint, mit den aufwändigen Recherchen: Unterstützt von vielen Institutionen und Helfern vertiefte er sich in historische Quellen. Das Bundesdenkmalamt gewährte ihm sogar Zugang zu den Unterlagen über Grabungen, die 1996 in der Kirche stattfanden und spannende neue Erkenntnisse über die Baugeschichte lieferten.

Der einstige Mesner Josef Neuhauser
Der einstige Mesner Josef Neuhauser
- Neuhauser

Damals wurde der Boden geöffnet, die Experten legten alte Grundmauern frei. Diese Vorgängerkirche könnte ca. aus dem 10. Jh. stammen, „sie war vermutlich die Eigenkirche – mit Begräbnisrecht – eines bayerischen Adeligen“, berichtet Schipflinger. Knochenfunde und Reste eines verbrannten Mörtelbodens lassen sogar ein noch älteres Bauwerk vermuten. Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche im Dorf „Hettingen“ findet sich dann in einem Ablassbrief aus dem Jahr 1286.

Großer Sprung ins 20. Jahrhundert: Nach Eröffnung der neuen Pfarrkirche 1911 brachen für das alte, zu klein gewordene Gotteshaus bittere Zeiten an: Die Kirche wurde „profaniert“, alle Altäre und die Kanzel nach Zams verkauft (wo 1911 die Pfarrkirche abgebrannt war). Die Alte Höttinger Kirche verlotterte zusehends, diente im Krieg als Lager, hatte kaputte Fenster, war in äußerst desolatem Zustand. Doch es ging wieder bergauf: Nach dem Zweitem Weltkrieg setzte sich vor allem der „Verein für Heimatpflege und Denkmalschutz Hötting“ für eine Renovierung ein. Mit Spenden der Höttinger Dorfgemeinschaft gelang dies bis 1956, ein Jahr später wurde die Kirche wieder eingeweiht.

Was den Bau so besonders macht? Darüber muss der „begeisterte Höttinger“ Schipflinger nicht lange nachdenken: Am „bedeutendsten Beispiel gotischer Kirchenbaukunst in Innsbruck“ fasziniert ihn etwa der „einmalige“ Turm. Dieser erhielt im Barock seine markante Kupferhaube, ansonsten blieb der ursprüngliche Außencharakter aber erhalten. „Da oben ist generell ein spezieller Kraftplatz“, schwärmt Schipflinger, „kein Wunder, dass man dort gebaut hat.“

Die Kirche in desolatem Zustand.
Die Kirche in desolatem Zustand.
- Schipflinger

Besonders sind auch die Anekdoten rund um die Kirche – etwa jene von den Höttinger Buben, die – trotz strengen Verbots – auf dem vorübergehend aufgelassenen oberen Friedhof Fußball spielten, quasi über den Toten. Zum Teil, das hat Schipflinger eine Dame erzählt, sollen die Höttinger sogar die Gebeine ihrer Eltern oder Verwandten „ausgegraben und in der Schürze auf den neuen Friedhof getragen haben“.

Der ca. 60-minütige Film – mit Zeitzeugenberichten, Drohnenaufnahmen, 3-D-Animationen (aufbauend auf den Grundrissen der ersten beiden Kirchen) und Constanze Köberl-Scozzafava als Sprecherin – ist um 10 Euro bei der Präsentation und danach im Pfarrbüro erhältlich. (md)