Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.04.2019


Innsbruck

Sonderschau im Zeughaus: Einblick ohne Ausblick

Auch das Zeughaus eröffnet anlässlich des Max-Jahres eine Sonderschau. „Des Kaisers Zeug“ stellt das Waffendepot von Maximilian I. in den Fokus.

Der Dachstuhl des Zeughauses ist erstmals zugänglich.

© Wolfgang LacknerDer Dachstuhl des Zeughauses ist erstmals zugänglich.



Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Das Zeughaus ist die einzige profane Architektur, die aus Zeiten Kaiser Maxi­milians I. in Innsbruck bis heute erhalten blieb. Um 1500 ließ er das „Zeughaus an der Sill“ erbauen, sein größtes Waffendepot. Heute hat das Zeughaus sein Pulver größtenteils verschossen – Anfang des 20. Jahrhunderts eine Brache, wurde es erst 1973 als Zweigstelle der Tiroler Landesmuseen auserkoren. Die Schau­sammlung, die bereits seit 20 Jahren gezeigt wird, wirkt doch auch schon etwas verstaubt.

Mit dem studio 3, dem Institut für experimentelle Architektur der Uni Innsbruck, wurden die architektonischen Maßnahmen entwickelt.
Mit dem studio 3, dem Institut für experimentelle Architektur der Uni Innsbruck, wurden die architektonischen Maßnahmen entwickelt.
- Wolfgang Lackner

Mögliche Wiederbelebungsversuche stellen Sonderschauen dar, die im Parterre des Quertraktes untergebracht werden und etwa zu Nischenthemen wie 2018 der Geschichte des Fahrrads einen neuen Zugang schufen. Für den Beitrag der Tiroler Landesmuseen zum 500. Todestag von Kaiser Max lag es auf der Hand, dass die diesjährige Sonderschau in der von ihm geplanten Architektur stattfinden muss. Und die gestern eröffnete Ausstellung „Des Kaisers Zeug. Maximilians Zeughaus in Innsbruck“ geht noch weiter: Sie stellt das Haus selbst sowie die Geschichte über den Kaiser.

Eigentlich eine gute Idee, würde nicht gerade die Geschichte die Ausstellungsmacher vor eine schier unlösbare Herausforderung stellen: Exponate gibt es kaum, blieb von der Max-Zeit im Zeughaus doch wenig übrig. „Keine ganz leichte Auseinandersetzung“, nennt es Noch-Direktor Wolfgang Meighörner. Ein neuer Zugang konnte nur über einen Einblick in bisher unentdeckt gebliebene Ecken des Zeughauses funktionieren, bestätigt auch Kuratorin Claudia Sporer-Heis. Ein Konzept, das mit architektonischer Unterstützung des studio 3 auch aufgeht.

So wird etwa der Dachstuhl des Quertraktes erstmals über eine Treppe zugänglich gemacht. Direkt darunter liegt das Turmzimmer, das ebenso für die Dauer der Ausstellung geöffnet wurde. Thematisch bewegt sich der Zuschauer hier begleitet von wenigen Exponaten und noch weniger Infos durch die Zeit von Kaiser Maximilian I., die hier höchstens militärhistorisch interessant ist.

Wechselt man hinüber in den anderen Quertrakt, wird man dort von einem Pop-up-Café empfangen, das als moderner Treffpunkt fungieren soll. Thematisch wechselt auch die Erzählung in die jüngere Gegenwart. Etwa ins Jahr 1974, in dem etliche steinerne Kanonenkugeln aus maximilianischer Zeit gefunden wurden. Oder ins Jahr 1985, als das Zeughaus im Hochwasser versank. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen, die im Keller aufbewahrt wurden, wurden in Mitleidenschaft gezogen: Ein zerfranstes Uhu-Präparat führt den Besuchern den Schaden vor Augen.

Was der Zuschauer nicht sieht: Mit der aktuellen Schau wird wichtige Forschungsarbeit betrieben, die in die anstehende Publikation einfließen wird. Ein terrestrischer Scan (dieser bildet den visuellen Einstieg in die Ausstellung) wurde durchgeführt, der das Gebäude erstmals über modernste Technik erfahrbar macht. Andere Forschungsbeiträge beschäftigen sich u. a. mit der Funktion des Gebäudes durch die Geschichte.

Was Schau und Rahmenprogramm aber kategorisch ausschließen, ist ein Gespräch über die Zukunft des Zeughauses. Eine langwierige Debatte über eine Neunutzung des Bauwerks verebbte zuletzt im Sand. Eine Auseinandersetzung mit dem Gebäude wie anlässlich dieser Sonderschau dürfte doch – auch im Hinblick auf die anstehenden Veränderungen in den TLM – Anlass zur (erneuten) Diskussion geben. Schade, dass die Sonderschau damit quasi ohne Ausblick bleibt.