Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.06.2019


Universität Innsbruck

Experimentelle Architektur: Demokratische Zwischennutzung

Basisdemokratisch stellen Künstler des studio3 die Arbeiten ihrer Studierenden aus.

Künstlerische Zwischennutzung: Arbeiten von Architekturstudenten werden derzeit in einer ehemaligen Bauhaus-Filiale ausgestellt.

© Christa PertlKünstlerische Zwischennutzung: Arbeiten von Architekturstudenten werden derzeit in einer ehemaligen Bauhaus-Filiale ausgestellt.



Innsbruck – Gute Architektur entsteht, wenn sie auf einer künstlerischen Idee basiert und nicht nur reine Form ist – davon ist Kathrin Aste vom studio3, dem Institut für experimentelle Architektur der Universität Innsbruck, überzeugt. Damit ein fruchtbarer Dialog zwischen den Disziplinen entstehen kann, gibt es bereits seit geraumer Zeit Klassen für künstlerische Gestaltung im Studiengang, in denen Studierende in direkten Kontakt mit Künstlern, ihrer Arbeitsweise und dem Entstehungsprozess ihrer Werke kommen. Mit „Experiment! Occupy! Perform!“ können seit Mittwochabend die in diesen Klassen entstandenen Arbeiten besichtigt werden.

Nicht etwa auf dem zumeist sterilen Universitätsgelände – das studio3 sucht seinen Weg in den urbanen Raum und besetzt für eine Woche (noch bis Freitag, 27. Juni, täglich ab 16 Uhr) die Gewerbehalle (altes Bauhaus) nahe dem Einkaufszentrum West. Auf 2500 Quadratmetern sind die Arbeiten aus den Klassen der Künstler Michael Fliri, Hatschepsut Huss, Rivka Rinn, Peter Senoner und Benjamin Zanon verteilt. Und diese könnten kaum vielfältiger sein, das wird beim Durchschreiten der Halle des aufgelassenen Baumarktes sofort klar. So vielfältig wie auch die Leiter der Klassen sind. Hier finden sich Experimente, Ausgereiftes, Naives, fein Gearbeitetes und Rohes direkt nebeneinander ein. Alle Medien sind vertreten. Und die Schau ist basisdemokratisch organisiert: alle Arbeiten der Studierenden werden ausgestellt.

Im wahrsten Sinne des Wortes roh ist auch das Umfeld. Das Bespielen von Leerstand ist keine einfache Aufgabe; zur Unterstützung holte man sich deshalb Ex-Kunstraumleiterin Karin Pernegger, die die Schau kuratierte. Für die Installation wurde fast ausschließlich Material verwendet, das man in der verlassenen Halle vorfand; Peter Senoners „Dunkelkammer“ etwa entstand aus schwarzer Folie, die zwischen Säulen gespannt wurde; ein altes Bauhaus-Transparent dient als Leinwand, auf der filmische Arbeiten gezeigt werden.

So ungeschönt urban zeigt sich die Universität und überhaupt die Stadt Innsbruck selten. (bunt)