Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.07.2019


Architektur

In Beton gegossene „Große Liegende“

Die Topographie hat Hanno Schlögl beim Entwerfen des Naturparkhauses Längenfeld inspiriert. Angelegt als „künstlicher Fels“, der lang hingestreckt am Fuß eines Felshangs liegt und aus dem ein Wasserfall plätschert.

Als skulpturales, ganz aus Sichtbeton gebautes Objekt hat Hanno Schlögl das Naturparkhaus Längenfeld angelegt. Mit einer feinen „Haut“, die die hölzerne Schalung im Beton hinterlassen hat.

© markus bspielerAls skulpturales, ganz aus Sichtbeton gebautes Objekt hat Hanno Schlögl das Naturparkhaus Längenfeld angelegt. Mit einer feinen „Haut“, die die hölzerne Schalung im Beton hinterlassen hat.



Von Edith Schlocker

Längenfeld – Für Hanno Schlögl ist das Naturparkhaus Längenfeld in seiner formalen, skulptural durchpulsten Konsequenz eine seiner besten Arbeiten. Um in der klaren Geste, mit der er seine „Große Liegende“ vor einem steilen Felsabhang positioniert hat, so etwas wie eine raffinierte Antithese zur umgebenden Natur zu sein. Was aber nicht bedeutet, im architektonischen Entwurf nicht mit den Metaphern Fels und Holz zu spielen. Wenn auch als höchst subtile, raumbildende Transformation.

Mit dem Längenfelder Naturparkhaus ist das auf sechs, über diverse Talstufen verteilte, gestalterisch jeweils komplett anders daherkommende „Podium für die Natur“ abgeschlossen. Den von der Dorferneuerung des Landes ausgelobten – geladenen – Wettbewerb haben 2012 LAAC Architekten zwar einstimmig gewonnen, nach der Realisierung von vier der „Podien“ haben sich die Architekten allerdings von den Bauherren getrennt, nachdem sie deren Aufforderung nicht nachkommen wollten, sich von Liquid Frontiers zu trennen, die sie als Ausstellungsmacher mit ins Boot geholt hatten.

Die Chance für Hanno Schlögl, der in der Folge in einem nicht offenen Vergabeverfahren den Auftrag zum Bau des Längenfelder Naturparkhauses erhalten hat. Und zu seiner großen Freude seinen mit viel Gespür für Atmosphärisches ausgeklügelten Plan 1:1 umsetzen konnte. Der unmittelbar mit dem Ort zu tun hat, an dem das zwischen einem Bach und dem neu errichteten Steinschlagschutzdamm am Fuß eines Felshangs errichtete über eine kleine Brücke erreichbare Haus steht.

Dass er das in nur einer Ebene lang hingestreckte Naturparkhaus aus Sichtbeton bauen wird, war für Hanno Schlögl unverhandelbar. Angelegt als „künstlicher Fels“, der allerdings eine „Haut“ hat, die fast so tut, als wäre sie aus Holz. Indem die vertikale Bretterverschalung des Betons schön sichtbar ist, wodurch sich das hart Anorganische reizvoll poetisch mit Organischem paart.

Der Baukörper mit seinem leicht nach vorn abfallenden – begrünten – Pultdach ist raffiniert skulptural angelegt. Angefangen von der hohen schrägen Wand, die, den Eingang markierend, als weithin sichtbare Geste quer zum Baukörper gestellt ist. Schräg nach innen gekippt ist aber auch die vordere durch Öffnungen unterschiedlicher Größe und Form gegliederte Fassade. Etwa ein Paar quadratischer Fenster, deren äußere Laibungen wie massiv umrahmte Kästen in den Baukörper gesteckt zu sein scheinen. Ein anderes markiert als waagrechter Schlitz die linke Ecke des Naturparkhauses, dessen Eingang einladend raumhoch verglast und schützend in den Baukörper hineingezogen ist. Bestückt mit Fenstern, die durch ihre innen wie außen zu Sitzbänken verbreiterte Laibung zum Sich-Niederlassen bzw. Schauen einladen. Während über einen in die Fassade integrierten Wasserspeier permanent ein kleiner Wasserfall in den kleinen Teich vor dem Haus plätschert, um den ein Biotop heimischer Blumen entstehen soll.

Kaltes und Warmes geben sich im Innern des Naturparkhauses die Hand. Auch hier sind die Wände aus Sichtbeton, der Boden ist im Foyer und im rund 270 Quadratmeter großen Ausstellungsbereich bzw. im Seminarraum ein geschliffener Estrich, in den Büros aus Holz. In Lärche gerahmt sind innen auch die Fenster, zart schwarz umrahmt die gläsernen Türen. Die Möblierung des Eingangs- bzw. Kassabereichs durch Hanno Schlögl ist nicht nur wegen des engen finanziellen Korsetts pur und schnörkellos.

So extrovertiert der Eingangsbereich daherkommt, so intim ist jener angelegt, in dem von der Natur des Ötztals erzählt wird. Sehr viel sehr naturalistisch Geschnitztes ist hier im Spiel, das so ganz und gar nicht zur architektonischen Hülle passen mag. Was schade ist, hätte man sich doch gewünscht, dass sich die Stringenz der Architektur in einem gesamtkunstwerklichen Ansatz auch in seiner Bespielung fortsetzt.