Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.06.2015


Imst

Vor dem Tod sind alle gleich

Tod (Clemens Thurner) und Teufel (Stefan Agreiter) beim Jedermann der Kranewitter-Bühne in Nassereith.

© HauserTod (Clemens Thurner) und Teufel (Stefan Agreiter) beim Jedermann der Kranewitter-Bühne in Nassereith.



Von Markus Hauser

Nassereith – Es ist ein „Jedermann“ für jedermann von jedermann, und das im besten Sinne des Wortes. Was auch immer die Franz Kranewitter Bühne Nassereith auf die Beine stellt, es kann nicht nur gehen, es läuft! Weshalb nach Salzburg fahren und sich den „Jedermann“ als exklusive Touristenattraktion mit hochdotierten Schauspielern ansehen? Dagegen sprechen gleich drei gute Gründe: erstens viel zu teuer, zweitens zu weit weg, drittens hätte man nichts Passendes zum Anziehen. Da ist man doch lieber in der Wendelingrotte bei Nassereith, um im Alltagsgewand dem Spektakel von der Moralität des Sterbens eines reichen Mannes beizuwohnen. Da kennt der Tod keine Krawattenpflicht und ein Abgang mit ihm durch die Schlucht himmelwärts macht sich dramaturgisch mindestens so gut wie vor dem Salzburger Dom. Gespielt wird natürlich die adaptierte Version des Hofmannsthal-Klassikers von Bernd Klaus Jerofke, in dem der Knittelvers mehr auf Alltagstauglichkeit reduziert ist. Nichtsdestotrotz heißt es Hochdeutsch sprechen für die Nassereither und sie tun es mit Bravour. Unter der Regie von Lydia Thurner wird das Sterben zwar auch nicht zur Gaudi, gilt es doch die Moral des Stückes zu transportieren und die soll zum Nachdenken über das eigene Leben anregen.

Die neunzehn Akteure geben ihr Bestes und jeder für sich ist der Beste. Der Jedermann, Markus Falbesoner, darf im Geld baden, ist ein arroganter Protz, kann sich gebärden wie ein Hypo-Alpe-Adria-Boss, quetscht den Armen das Weiße aus den Augen. Aber dieser Jedermann kann auch weinen vor echter Reue und, geläutert, sogar Mitleid wecken. Martina Wander als Buhlschaft ist kokett, frivol, durchtrieben. Die Rolle ist ihr auf den Leib geschrieben.

Unheimlich, übermächtig inszeniert sind Tod (Clemens Thurner) und Teufel (Stefan Agreiter). Burschikos und handfest im Leben Corinna Lair als Gesellin, Thomas Seelos nicht weniger präsent als Mammon. Überzeugen kann das gesamte Ensemble ebenso wie die exzellente Maske und die aufwändigen Kostüme. Weitere Vorstellungen: 3., 5., 10., 12. und 31. Juli sowie 2., 7. und 9. August. Beginn ist um 20.30 Uhr. Kartenreservierung unter: 0676/487341.

- Hauser



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