Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 14.07.2015


Schwaz

Junger Schauspieler rührt zu Tränen

Traurigkeit und Freudentränen wechseln sich im Theaterstück „Oskar und die Dame in Rosa“ ab. Mit viel Humor, Tragik und auch Glaube möchte „Stummer Schrei“ mehr Kinder auf und vor die Bühne locken.

Magdalena Wurm und Jakob Fiechtl spielen mit viel Leidenschaft.

© Eva-Maria FankhauserMagdalena Wurm und Jakob Fiechtl spielen mit viel Leidenschaft.



Von Eva-Maria Fankhauser

Stumm – Der an Leukämie erkrankte Oskar fühlt sich allein gelassen. Allein gelassen von seinen Eltern, von Gott, von der Welt. Doch eine versteht ihn besser, als er je zu träumen gewagt hätte – die Dame in Rosa. Sie steht Oskar in den letzten Wochen und Tagen vor seinem Tod bei und lässt dabei kaum eine Lebensweisheit aus.

Freudestrahlend und mit einem schelmischen Blick erzählt der Schüler Jakob Fiechtl­, wie es für ihn ist, einen leukämiekranken Jungen auf der Bühne zu verkörpern. „Sich in die Rolle reinzufühlen, war gar nicht so einfach für mich. Vor allem weil Oskar so viele Lebenssituationen in kurzer Zeit durchlebt“, erzählt der 10-Jährige. Dennoch hat ihn seither das Schauspiel-Fieber gepackt. „Ich möchte auf alle Fälle weiterhin schauspielern“, berichtet das junge Talent. Ihm gefällt auch die Mischung aus traurigen Szenen mit lustigen Passagen oder flapsig-coolen Dialogen. „Viele, glaube ich, trauen sich da gar nicht zu lachen, aber es ist wirklich lustig“, betont Jakob.

Um diesen Mix gekonnt in Szene zu setzen, hat sich der Regisseur Thomas Stiegler von „Stummer Schrei“ etwas Besonderes ausgedacht. Auf der Bühne sind neben Oskar nur die Dame in Rosa und der Erzähler zu sehen. Alle anderen Personen, wie Ärzte, Oskars Eltern und Freunde werden via bearbeiteter Fotos in Pinselstrichoptik an eine Leinwand projiziert. Der jeweilige Text der Nebendarsteller wurde bereits in den aufwendigen Vorarbeiten aufgenommen. „Die Kinder haben sehr professionell mitgearbeitet, das hat mich beeindruckt. Durch die Fotos und Audioeinspielungen werden die Personen klar dargestellt, das war mir von Anfang an wichtig“, betont Stiegler. Mit der Inszenierung des Stückes verfolgt er das Ziel, mehr Kinder und Jugendliche für das Theater zu begeistern. „Das Spielen auf der Bühne stärkt ihr Selbstvertrauen“, ist sich Stiegler sicher. Mit „Oskar und die Dame in Rosa“ möchte er aber nicht nur Kinder auf die Bühne locken, sondern auch ins Publikum.

„Für mich ist das Stück eigentlich total traurig, aber letzten Endes sehr trostspendend“, beschreibt Hermann Hauser seinen Part als Erzähler. Als neutrale Stimme führt er durch die Geschichte und lässt das Publikum an Oskars Briefe an Gott teilhaben. Glaube, Hilfsbereitschaft und die Hilflosigkeit anderer zu überwinden, sind zentrale Themen des Stückes. Woran soll ein Kind glauben, dessen Leben sich dem Ende zuneigt? „Mit Gott zu reden, als wäre er ein Vertrauter – das macht das Stück zu etwas Besonderem“, weiß Magdalena Wurm, die die Dame in Rosa mit viel Emotionen sowie auch mit einer Portion Leichtigkeit mimt.

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Der kleine Jakob zieht auf der Bühne alle Blicke auf sich, wenn er in den wenigen Tagen, die ihm noch bleiben, eine ganze Lebensspanne durchlebt. „Zehn Jahre an nur einem Tag zu erleben – das hat mir richtig Spaß gemacht. Das Älterwerden war super. Mich in meine eigene Hochzeit reinzufühlen, war aber schon ein bisschen schwierig“, gibt der Schüler zu.

„Oskar und die Dame in Rosa“ ist noch am Mittwoch, Samstag und Sonntag jeweils um 20.30 Uhr im Theatersaal des Gasthauses Tipotsch in Stumm zu sehen.

Erzähler Hermann Hauser (v. l.) führt neben Visualisierungen durchs Stück.
Erzähler Hermann Hauser (v. l.) führt neben Visualisierungen durchs Stück.
- Eva-Maria Fankhauser