Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.12.2015


Bühne

Reuttenerin gründet Tanz-Company

Janine Gomig hob das „Dance Theater of Munich“ aus der Taufe. Die diplomierte Bühnentänzerin will sich mit dem gewagten Schritt am Münchner Künstlerhaus etablieren. Premierentag ist der 29. Dezember.

null

© Dance Theater if Munich



Von Helmut Mittermayr

Reutte, München – „Sehn wir doch das Große aller Zeiten, auf den Brettern, die die Welt bedeuten“. Die geflügelten Worte Friedrich Schillers bringen das Leben einer jungen Reuttenerin auf den Punkt. Tanz bedeutet für Janine Gomig alles, danach war und ist ihr ganzes Tun ausgerichtet. Nun stellt sich die 28-Jährige einer großen Herausforderung – sie ist nicht mehr nur für ihr eigenes Fortkommen verantwortlich, sondern für das einer ganzen Gruppe. Gomig gründete das Dance Theater of Munich. Als Kooperationspartner des Münchner Künstlerhauses präsentiert sie sich am 29. Dezember erstmals dem Münchner Publikum. Mit ihrer Premieredarbietung „You – I – Us“ bringt das Dance Theater of Munich das Thema soziales Miteinander im modernen Contemporary-Stil zu vornehmlich klassischer Musik auf die Bühne. Als Choreograph engagierte sie den preisgekrönten, in den USA groß gewordenen Selatin Kar­a. Mit dem Ziel, neue Tanzhorizonte zu eröffnen – so zumindest der hohe Anspruch.

Der Sprung ins kalte Wasser des Unternehmertums – sie hat sieben Künstler auf der Lohnliste – beschert Gomig nun 16-Stunden-Arbeitstage. Da sie nach wie vor selbst auf der Bühne stehen will, wird täglich weiter sieben Stunden trainiert und getanzt. Daneben muss sie sich nun auch um Management, Produktionsleitung, Location, Vermarktung und vieles mehr bis zum Plakataufhängen kümmern. Die Produktion kostet viel Geld. Neben Erspartem und den erhofften Eintritten hofft sie auf Crowdfunding bei Startnext. „Da ich noch ein No-name bin, ist die bisher eingegangene Summe noch überschaubar. Ich wär’ schon mit 3000 Euro zufrieden. Das Risiko ist sehr groß“, lacht sie im TT-Interview auf. Aber das sei beim professionellen Tanzen, bei dem der eigene Körper das ganze und einzige Kapital darstellt, immer so. Die Beanspruchung sei ähnlich groß wie im Spitzensport, die Verletzungsgefahr und damit das Aus immer zugegen. Und mit spätestens 35 Jahren sei das natürliche Karriereende erreicht. Im Ballett-Tanz sogar noch früher. Daher heiße es rechtzeitig einen Plan B in der Tasche zu haben, plaudert sie aus der Schule.

Die vielen Beschwerlichkeiten ihrer Profession waren jedoch immer weitaus geringer als die ungezügelte Leidenschaft für Tanzen, die schon mit vier Jahren begann. Erste Ballettauftritte in Breitenwang und in der späteren Folge eine Teenager-Tanzgruppe namens „The Backstreet Girls“ markierten die Anfänge. Durchaus großes Publikum applaudierte bei ersten Auftritten wie „Sport und Show“ in der Reuttener Sporthalle. Nach der Sporthauptschule in Reutte wechselte sie in das musisch geprägte Realgymnasium an der Kettenbrücke in Innsbruck und in der Folge in das Gymnasium in Linz, das sie mit einem Tanz-Vorstudium kombinieren konnte. Zur Absolvierung ihres dreijährigen Diplomstudiums in Bühnentanz und Tanzpädagogik übersiedelte sie nach München an die Iwanson Contemporary Dance School. Ihre dort gezeigten Studienleistungen waren Türöffner zu einem einjährigen Folgestudium an der renommierten Alvin Ailey School in New York. Ganz neue Perspektiven eröffneten sich schließlich bei einem fast einjährigen Praktikum in Israel an der Kibbutz Contemporary Dance Company, die in der Tanzwelt Weltruf genießt. Den restlichen Globus lernte sie schließlich als Mitglied einer Tanzcompany auf der MS Deutschland, dem „Traumschiff“, kennen. Engagements in Berlin, München und Regensburg in verschiedenen Ensembles und Musicals runden ihr Profil ab.

Janine Gomig zu den Beweggründen für die Gründung einer eigenen Company: „Arbeitsplätze für Tänzer sind rar, für Tänzerinnen noch viel rarer, die Zahl ist unglaublich groß. Zu jeder Audition bewerben sich an die 500 Interessierte. Da wirst du schnell aussortiert.“ Dauerndes Reisen auf eigene Kosten zu diesen Castings sei die Regel. Und im besten Fall schaue dann ein Kurzzeitengagement heraus. Dann gehe das Spiel von vorne los. In München gebe es nur wenige Arbeitgeber wie Staatsoper oder Theater Gärtnerplatz, bei denen längere Verpflichtungen möglich seien. Die diplomierte Bühnentänzerin aus Reutte möchte mit dem Dance Theater of Munich nun eine weitere Möglichkeit schaffen, mit einer Stammmannschaft länger zusammenzuarbeiten und sich damit in der bayerischen Landeshauptstadt am Münchner Künstlerhaus zu etablieren. Am 29. Dezember geht der Vorhang auf.