Letztes Update am Mi, 09.03.2016 07:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zillertaler Kulturfestival

Mitterer: „Vielleicht mein wichtigstes Stück“

Stumm gibt Laut: Vom 11. Juni bis 7. August lockt das Festival „Stummer Schrei“ ins Zillertal.

Felix Mitterer (Mi.) bei der Pressekonferenz zum Kulturfestival "stummer schrei".

© Andreas Rottensteiner / TTFelix Mitterer (Mi.) bei der Pressekonferenz zum Kulturfestival "stummer schrei".



Stumm – Es war einmal ein Zillertaler, der den elterlichen Hof übernehmen sollte. Doch das vorgezeichnete Leben ging dem Burschen gegen den Strich, anstatt zu tun, was man von ihm erwartete, tat er das Unerwartete – und ließ die Zivilisation hinter sich. 40 Jahre lang lebte er fernab des Dorf- alltags inmitten der Natur und nahm in Kauf, dass man ihn drunten im Tal einen „Spinner“ nannte. Was sich wie ein Märchen liest, ist eine wahre Geschichte, die im Sommer auf die Theaterbühne kommt: Beim Zillertaler Kulturfestival „Stummer Schrei“ geht die Uraufführung von „Märzengrund“ über die Bühne – zu Papier gebracht hat sie Felix Mitterer. Obwohl er eigentlich gar nicht wollte.

„Ich hab’ mich lange gewehrt gegen dieses Stück und jetzt hab’ ich das Gefühl, dass es vielleicht mein wichtigstes geworden ist“, gesteht der Autor bei der Programmpräsentation des Festivals, das seit dem Sommer 2004 im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindet. Überreden ließ sich Mitterer von Heinz Tipotsch, den er vor 30 Jahren beim Stück „Verlorene Heimat“ kennen lernte. Und der bei „Märzengrund“ (Regie: Konrad Hochgruber) auch die Hauptrolle spielen wird. Aber es wird kein „Spinner“ sein, den es da zu sehen gibt, sondern – so Mitterer – „eine nahezu mythische Figur, einen philosophischen Menschen, der sich von der Welt abwandte“. Beim wahren Namen wird er aber nicht genannt – aus Respekt vor der Familie, die sich um dessen Vermächtnis sorgte. Mit Jakob – wie er nun heißt – konnte Mitterer nicht mehr reden. Er nahm sich das Leben, als er dieses krankheitsbedingt wieder in der Zivilisation fristen musste. Neben dem Hauptstück „Märzengrund“ (Premiere: 16. Juni) wird beim Festival, das zum zweiten Mal unter der künstlerischen Leitung von Thomas Gassner steht, auch an anderer Stelle das Volkstheater großgeschrieben: So widmen sich drei Autoren in drei Mini-Dramen dem Schicksal spannender Frauenfiguren – Regie bei den „Tiroler G’schichtln“ führt Andreas Haun. Abgerundet wird das Festival von einem breiten musikalischen Programm, bei dem Rock auf Klassik trifft und das von Klarinettist Helmut Sprenger konzipiert wurde.

Neben „Steudltenn“ in Uderns gibt’s im Zillertal heuer somit zwei Festivals: Die Macher von „Stummer Schrei“, das von Land und Bund mit 40.000 bzw. 25.000 Euro gefördert wird, glauben allerdings nicht, dass man sich damit Zuschauer nimmt. „Zwei Festivals hält das Tal leicht aus“, meint Gassner, der stolz auf das „Volkstheaterfestival“ und den Enthusiasmus seiner knapp 30 Laienspieler ist, die mit Leib und Seele – und ohne Gage – in Stumm die Stimme erheben. Echte „Theaterspinner“ eben. (fach)

Das detaillierte Programm finden Sie unter www.stummerschrei.at