Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.03.2016


Bühne

Ronja Forcher: Vom Berg auf die Bühne

Seit 2008 spielt Ronja Forcher die Tochter von „Bergdoktor“ Hans Sigl. Mit ihrem Ensemble „Alice“ gastiert sie Ende März in Ellmau und Innsbruck.

© Julia HammerleNachwuchs-Schauspielerin Ronja Forcher lebt in Innsbruck und Wien.



Innsbruck, Ellmau – Drei Jahre dauert die Schauspielausbildung an der Wiener „1st filmacademy“. Im Normalfall. Ronja Forcher hat das Abschlussdiplom, dieses „Zettele, das gerade in Österreich so viel bedeutet“, schon nach einem Schuljahr erhalten. „Nicht zuletzt, weil ich bereits vor dem offiziellen Beginn der Ausbildung schon so viel Erfahrungen gesammelt habe“, erzählt die 19-Jährige im Gespräch mit der TT. Und Erfahrung hat Forcher tatsächlich: Bereits mit sechs Jahren stand die Tochter des Schauspielers Reinhard Forcher und Ursula Keplinger, die die Tiroler Casting-Agentur Creative Creatures leitet, auf der Bühne des Tiroler Landestheaters. Ihren ersten Kinofilm, „Okariki Oraku“, drehte sie mit acht. Auftritte in TV-Filmen wie „Im Tal des Schweigens“ und „Geierwally“ folgten. Seit 2008 spielt Ronja Forcher Lilli Gruber in der erfolgreichen ORF-Serie „Der Bergdoktor“.

Jetzt will Forcher aber auch zurück auf die Bretter, die – gemäß Shakespeare – die Welt bedeuten. Gemeinsam mit ihren Kommilitoninnen Carolin­e Weber, Lisa Neumaier, Sophie Isermann und Leonie Reiss hat sie vor einigen Monaten das Ensemble „Alice“ gegründet – und das macht mit seiner ersten Produktion „Fünf im gleichen Kleid“ nach geglückter Wien-Premiere Ende März Station in Tirol.

„Das Stück“, erzählt Forcher, „ist eine kluge Komödie, verrückt, aber auch nachdenklich.“ Außerdem sage es viel über die Rolle von Frauen in der heutigen Gesellschaft aus. Ein Aspekt übrigens, der den fünf jungen Schauspielerinnen bei der Gründung von „Alice“ wichtig war. Forcher: „Es gibt einen feministischen Hintergedanken. ‚Alice‘ will auch darauf hinweisen, dass es weniger gute Frauen- als Männerrollen gibt.“

Ein Problem, das Ronja Forcher, die zuletzt beim Schauspielwettbewerb um das vom Land Tirol und dem ORF Tirol gestiftete Josef-Kuderna-Stipendium mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, in Zukunft ganz aktiv angehen möchte. Die Arbeit an „Fünf in einem Kleid“, das auf einer Vorlage des Oscar-Preisträgers Alan Ball („American Beauty“) basiert, hat sie für das Schreiben Feuer fangen lassen. „Im Moment versuche ich mich an einem eigenen Stück für unser Ensemble“, führt Forcher aus. Bis zur Vollendung allerdings dürfte noch einige Zeit vergehen, denn der Terminplan der Nachwuchsschauspielerin ist voll. Im Sommer wird sie in Hall an der Seite von Brigitte Jaufenthaler in Karl Schönherrs „Frau Suitner“ zu sehen sein. Und außerdem beginnen in Elmau bald die Dreharbeiten zur zehnten „Bergdoktor“-Staffel. Die Serie, die Ronja Forcher bekannt machte, schaut sie privat übrigens nur selten: „Manchmal stoße ich zufällig darauf. Aber, wenn man schon weiß, was passiert, ist es nur mäßig spannend.“ (jole)

Das Ensemble „Alice“ gründete Forcher mit Kommilitoninnen der „1st filmacademy“.
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