Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.08.2016


Innsbruck land

Oberperfer Ortschefin holt Peter Anich auf die Bühne

Zum 250. Todestag des großen Oberperfer Kartographen und Astronomen hat ihm BM Johanna Obojes-Rubatscher ein Theaterstück gewidmet.

Das beschwerliche Leben eines vielseitigen Genies zeigt BM Johanna Obojes-Rubatscher  in ihrem Stück „Peter Anich“, das am 5. November im Peter-Anich-Haus  Premiere feiern wird.

© DomanigDas beschwerliche Leben eines vielseitigen Genies zeigt BM Johanna Obojes-Rubatscher in ihrem Stück „Peter Anich“, das am 5. November im Peter-Anich-Haus Premiere feiern wird.



Oberperfuss – Er war ein hochbedeutender Vermesser und Kartograf, seine Landkarten – allen vor der erst posthum vollendete „Atlas Tyrolensis“ – zählten zu den präzisesten ihrer Zeit. Auch als Astronom und genialer Konstrukteur von Sonnenuhren und Globen hinterließ er bleibende Spuren. Dabei stammte er aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen. Am 1. September jährt sich der Todestag von Peter Anich (1723–1766), dem großen Sohn der Gemeinde Oberperfuss, zum 250. Mal. Bisher war es um dieses Jubiläum erstaunlich ruhig. Dass sich das nun ändern dürfte, liegt nicht zuletzt an Johanna Obojes-Rubatscher.

Denn die Oberperfer Bürgermeisterin – sie ist auch Spielleiterin der Volksbühne Oberperfuss – hat höchstpersönlich ein Theaterstück über ihn geschrieben: „Peter Anich“ feiert am 5. November Premiere und ist auch an den Wochenenden danach im Peter-Anich-Haus zu sehen. Als Kustodin des dortigen Museums hatte Obojes-Rubatscher bereits ein solides Basiswissen über Anich. „Aber Führungen und ein Stück schreiben – mit Spannungsaufbau und logischen Dialogen – sind zwei paar Schuhe.“ Monatelange Recherchearbeiten mit intensivem Literaturstudium waren nötig, um voll in Anichs Zeit einzutauchen, für die eigentliche Schreibarbeit „musste ich mir regelrecht Urlaub nehmen“, erzählt die Bürgermeisterin. Im September starten nun die Proben für das Stück, das die 13 Darsteller vor allem sprachlich fordern wird: Schließlich ist es großteils im Dialekt geschrieben, auch Originalzitate fließen ein.

BM Johanna Obojes-Rubatscher
BM Johanna Obojes-Rubatscher
- Oberperfuss Aktiv

In Zeitsprüngen führt das Drama zu Stationen in und nach Anichs Leben: in sein­e Jugend, ans Innsbrucker Jesuiten­kolleg – wo ihn der Mathematikprofessor Ignaz Weinhart entscheidend förderte –, oder zu Blasius Hueber, ebenfalls aus Oberperfuss, der den „Atlas Tyrolensis“ nach Anichs Tod fertigstellte. Wichtig ist Obojes-Rubatscher, das harte bäuerliche Leben von damals zu vermitteln – Anich blieb ja neben all seinen Leistungen zeitlebens auch Bauer. Bei allem Realismus habe sie Anichs Familie aber „völlig fiktiv“ eingebaut: So wird sein Vater als Mann gezeigt, der von seinem einzigen Sohn enttäuscht ist. „Mit seinem großen Interesse für die Sterne war Peter Anich sicher abseits der Norm.“

Vor allem aber will Obojes-Rubatscher ins Bewusstsein rufen, dass Anich – der starb, ehe er eine ihm zugesprochen­e Pension in Anspruch nehmen konnte – „dann bis ins 19. Jahrhundert hinein wirklich eine Berühmtheit war, hochgelobt und verehrt“, was heute fast vergessen sei.

Auch an der Oberperfer Volksschule – nach Anich benannt – hat man sich heuer intensiv mit dem Genie auseinandergesetzt: Schüler haben Landkarten gezeichnet, Globen gebastelt und ein Peter-Anich-Lied einstudiert. Im Herbst wird das Ergebnis des Schulprojekts bei einer Gedenkfeier vorgestellt. Und bis zu Anichs 300. Geburtstag im Jahr 2023 will Obojes-Rubatscher im Dorf jährlich weitere Schwerpunkte setzen. (md)

Peter-Anich-Haus
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