Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.12.2016


Osttirol

Von Schützen, Franzosen und Menschenopfern

In seiner zweiten Oper arbeitet Hansl Klaunzer die Geschichte zweier Matreier auf, die 1809 anstelle von flüchtigen Rebellen sterben mussten.

© Diese Gedenktafel von 1907 erinnert an das Schicksal der beiden hingerichteten Opfer.



Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. — So tragisch die Geschichte ist, so wahr ist sie auch: Gegen Ende der Franzosenkriege 1809 waren zwei Anführer der Tiroler Freiheitskämpfer, die Matreier Schützenhauptmänner Anton Wallner und Johann Panzl, geflüchtet und hatten sich versteckt. Doch der französische General Jean-Baptiste Broussier drängte in Matrei auf die Auslieferung der Rebellen. Um den Repressalien der Franzosen zu entgehen, loste der Matreier Gemeinderat unter der Bevölkerung zwei Männer aus, Franz Obersamer und Johann Weber. Diese wurden schließlich zu Kriegsende anstelle der flüchtigen Schützenhauptmänner hingerichtet.

Nächsten Sommer wird die Geschichte rund um das Schicksal der geopferten Männer in Matrei als Oper in zwei Akten aufgeführt. Titel: „Mut zur Freiheit". Komponist ist Hansl Klaunzer, der schon 2014 mit „Gruß an Schloss Weißenstein" sein kompositorisches Können unter Beweis gestellt hat. So wie 2014 ist es eine ernste Oper, die auf wahren Begebenheiten beruht.

Statt eines Bühnenbildes hat Klaunzer den Dorfplatz des Ortsteils Bichl als Freiluft-Kulisse gewählt. Dort werden Tribünen für rund 1000 Zuschauer errichtet. Um so nah wie möglich an der Realität zu bleiben, werden in den angrenzenden Bauernhöfen Pferde, Kühe und Schafe zu sehen sein. Die Schützenhauptmänner sollen standesgemäß auf Pferden auf die Bühne sprengen. Einer der Höhepunkte der Handlung ist die Darstellung des Kampfes am Aineter Bergl 1809. „Das war die letzte Kampfhandlung dieses Krieges und sie hat in Osttirol stattgefunden", weiß Klaunzer nach eingehender Lektüre von historischen Werken.

Was dem Komponisten sehr am Herzen liegt: die Rolle der damaligen Frauen darzustellen und ihnen Raum zu geben. „Die Frauen waren dagegen, dass unter ihren Männern die Kriegslust geschürt wird. Sie haben stets versucht, die Männer zurückzuhalten."

Als Solisten treten Ulfried Haselsteiner, Florian Mattersberger, Ernst Wibmer, Wilfried Rogl, Franz Mariacher, Claudia Köll und Barbara Mattersberger auf, um nur einige zu nennen. Für die Darsteller der damaligen Schützen wurde Klaunzer bei den heutigen Kompanien fündig. Schützen aus Virgen, Kals, Matrei, Ainet und Hopfgarten wurden auf ihre Gesangstalente abgeklopft, an die 40 Mann fanden sich bereit. Regie führt Norbert Mladek.

Die Uraufführung findet am 29. Juli 2017 statt, bis Anfang bzw. Mitte September folgen weitere Aufführungen. Der Kartenvorverkauf startet in den nächsten Wochen in allen Raikas und bei Ö-Ticket.

Vom Goldried Quintett bis zur ernsten Oper

Flügelhorn. Mit zehn Jahren begann der Matreier Hansl Klaunzer, Flügelhorn zu spielen. Diesem Instrument ist er bis heute treu geblieben. Er spielte bei der Militärmusik, und war lange Jahre Kapellmeister der Musikkapelle Matrei i. O.

Karriere. 22 Jahre lang musizierte Klaunzer mit dem Goldried Quintett, das zu den erfolgreichsten österreichischen Volksmusikgruppen gehörte. Das Ensemble erspielte sechsmal die goldene Schallplatte und dreimal Platin. Zu Klaunzers Kompositionen zählt etwa „Das Flügelhorn im Rucksack". Auch bei der Altmatreier Tanzmusik ist Klaunzer als Leiter und Musikant dabei.

Liebe zur Oper. Im Jahr 2014 wurde Hansl Klaunzers erste Oper „Gruß an Schloss Weißenstein" in Matrei uraufgeführt. Sie basiert — ebenso wie sein neues Werk „Mut zur Freiheit" — auf wahren Begebenheiten.

Brotberuf. Klaunzer, heute 58 Jahre, arbeitet bei der Matreier Firma Anita, die Miederwaren erzeugt.