Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.06.2017


Bühne

Rosen aus Tirol zum Abschied

Mörbisch-Intendantin Dagmar Schellenberger verlässt die Seebühne mit weinendem Auge.

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© Emmerich Mädl



Innsbruck – 60 Jahre ist’s her, dass in Mörbisch die Seefestspiele aus dem Neusiedler See gehoben wurden – seither pilgern allsommerlich Operettenfreunde aus ganz Österreich in die beschauliche 2200-Seelen-Gemeinde, die für Noch-Intendantin Dagmar Schellenberger zur Wahlheimat geworden ist. 2012 trat die deutsche Opern-, Operetten-, Musical- und Konzertsängerin die Nachfolge von Harald „Mr. Wunderbar“ Serafin an und machte sich alsbald ganzjährig in Mörbisch sesshaft. Schellenberger war definitiv gekommen, um zu bleiben. Künstlerische Pläne hatte die gebürtige Sächsin bis ins Jahr 2021 gemacht, als sie im Oktober des Vorjahres erfuhr, dass ihr Vertrag entgegen der Erwartungen nicht verlängert wird. Und stattdessen Gerald Pichowetz das Ruder übernehmen soll. „Das hat mich sehr gekränkt und verletzt“, erzählt Schellenberger der TT. Dass nun – wie berichtet – alles ganz anders kommt und statt Pichowetz der Bariton Peter Edelmann die Intendanz übernimmt, lässt Schellenberger „überrascht und verwundert“ zurück. Mehr will sie zu diesem eigentümlichen Posten-Karussell nicht sagen, lieber konzentriert sie sich auf das 60-Jahr-Jubiläum, das ab 7. Juli mit Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“ begangen wird, die erstmals nach 20 Jahren wieder auf dem Mörbisch-Spielplan steht.

Zu Schellenbergers Abschied werden also „Rosen aus Tirol“ verteilt – und zwar von „waschechten Tirolern“, wie die scheidende Intendantin erklärt. Und kräftig die Werbetrommel für Paul Schweinester, Martina Fender und Philipp Kapeller rührt, die das heilige Land gegen das selige Operetten-Universum tauschen. Angetan hat’s ihr dabei vor allem der 32-jährige Innsbrucker Schweinester, der – abwechselnd mit dem Kärntner Thomas Ebenstein – den Part des eitlen Vogelhändlers Adam übernimmt. Schellenberger: „Glauben Sie’s mir, der macht eine große Karriere!“

Und was macht Schellenberger, nachdem am 19. August der letzte Vorhang für den „Vogelhändler“ gefallen sein wird? „Ich heirate am 20. August“, verrät die 58-Jährige, deren Polterabend mit der Dernière einhergeht – die Wahrscheinlichkeit, dass sich da Abschieds- mit Freudentränen vermischen, ist also groß. Denn leicht fällt ihr der Abschied nicht: „Für mich war das mehr als nur ein Job. Aber wenn eine Tür zugeht, gehen viele andere auf.“ (fach)




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