Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Bezirk Kufstein

Ambitioniertes Theaterprojekt

Irene Turin bringt in Wörgl für eine Produktion Asylwerber und Tiroler auf die Bühne.

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© Otter



Wörgl – Eine neue Welt bedeutet das Theater für eine Gruppe junger Asylwerber, mit denen Irene Turin mit ihrem „Theater unterLand“ ein Projekt umsetzt: „Fremd daheim. Daheim fremd.“ lautet der Titel des Stückes, dessen Inhalt gemeinsam mit den Darstellern erarbeitet wurde. Gespielt wird im Rahmen des Kinder- und Jugendtheaterfestivals in Innsbruck sowie am 21., 22. und 23. Juni, jeweils um 20 Uhr im Komma Wörgl.

„Das ist die spannendste und interessanteste Arbeit, die ich je gemacht habe“, erklärt Turin, die als Mitbegründerin der Gaststubenbühne Wörgl, beim BRG-Schultheater Wörgl sowie mit ihrer Theaterschiene „Theater unterLand“ bereits vielfach Regie geführt und Produktionen auf die Beine gestellt hat. Und es sei ihr Beitrag, um zwischen den Kulturen zu vermitteln. Da müssen Sprachbarrieren durchbrochen werden – aber das Erfreuliche: „Es sind echte Talente darunter und wir haben viel Spaß“, sagt Turin.

Seit Herbst 2016 erarbeitet sie mit den jungen Asylwerbern aus der Region im Alter von 10 bis 25 Jahren, die vorwiegend aus Afghanistan kommen, den Inhalt des Stückes. „Sie leben zwischen den Welten, müssen sich zwischen alten und neuen Strukturen zurechtfinden. Die Szenen bringen ihren Alltag auf die Bühne“, kündigt Turin an, die für Konzept und Regie verantwortlich zeichnet. Turins Begeisterung für das Theaterspielen hat sich auch übertragen und jetzt stehen zehn bis zwölf Darsteller auf der Bühne und geben Einblick in das, was sie beschäftigt. „Das Land, aus dem sie kommen, und das Land, in dem sie jetzt leben“, berichtet Irene Turin und freut sich darüber, dass bei der Produktion auch Darstellerinnen der Stadtbühne Wörgl mitmachen.

„Die Szenen, die gespielt werden, sind Endprodukt von Pantomime, Improvisation und viel Blödelei. Sie handeln davon, wie wichtig den jungen Menschen Bildung ist, zeigen Diskrepanzen, erzählen von Männern und Frauen, von Liebe und Heimatlosigkeit“, so Turin.

Den jungen mitspielenden Männern wird dabei auch Überwindung abverlangt. Zum Beispiel, wenn sie als Frau mit Perücke auf der Bühne stehen. Erfreulicher Nebeneffekt: „Die Deutschkenntnisse haben sich während der Probenarbeit sehr verbessert“, verrät Turin.

Am Ende des Stückes bleibt übrigens einiges offen: wie das Schicksal der jungen Menschen im reale Leben.

Der Kartenvorverkauf für die Aufführungen im Komma Wörgl läuft über das Komma sowie per Mail über theaterunterland@gmx.at. (vsg, wo)