Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.07.2017


“Kluibenschädel-Saga“

Launiger Murks mit Marx

Premiere für „Die Kluibenschädel-Saga“: Heiteres Verräter-Raten am Schlossberg.

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© Grießenböck



Rattenberg – In Niederober-Unterberg hat man keine Pläne. Hier hat man ein Schicksal. Jenes von Ferdinand Kluibenschädel (Werner Klikova) – Bürgermeister und Metzger aus Leidenschaft – sieht vor, seine Gemeinde in die Schlagzeilen zu bringen. Dafür müssten nur alle seine Schäfchen bei der nächsten Wahl geschlossen für Kluibenschädels (nicht genannte) Partei ihr Kreuzerl machen. Damit kommt man in die ZiB. Und bekommt von den „Wasserköpfen aus Wien“ die lang versprochene Anbindung an die Bundesstraße.

Doch dann kommt alles anders – und der Ferdinand ganz schön durcheinander. Ein querdenkerischer Hundslaggl votiert nämlich justament für die KPÖ und versalzt damit das Einheitsbrei-Rezept, was den Dorfkaiser ganz desperat macht. Doch während er zum Verräter-Raten aufruft, machen sich erste positive Auswirkungen der Rebellen-Würze bemerkbar: Der Murks mit Marx weckt nämlich die Lebensgeister der verschlafenen Dorfbewohner wieder auf.

Wahl-Kuddelmuddel ist man hierzulande gewohnt. Und so gesehen hat Autor und Regisseur Manfred Schild in seinem Stück „Die Kluibenschädel-Saga“, das am Freitag bei den Schlossbergspielen Rattenberg Premiere hatte, ein brisantes Thema aufgegriffen – das er auf der Open-Air-Bühne allerdings nicht politisch-analytisch, sondern märchenhaft aufbereitet. Im putzigen Bühnenbild, das an aufgeschlagene Bilderbücher erinnert, führt ein Erzähler (Wolfgang Oehm) durch den kurzweiligen Schwank, der bei der Premiere feucht-fröhlich endete. Die zweite Hälfte des Abends fand nämlich in strömendem Regen statt, was der guten Laune aber nicht viel anhaben konnte. Schild hat dem Laien-Ensemble liebenswert-lustige Charaktere auf den Leib geschrieben und seinen Stoff mit etlichen Anspielungen aus der Film- und Theaterwelt gespickt: In Niederober-Unterberg prallt der „Jedermann“ auf „Mission Impossible“ und „Star Wars“, bis die Dorfgemeinschaft zum finalen „Time Warp“ ansetzt. Ein bisserl „Rocky Horror Picture Show“ schadet nie.

Lustvoll spielt Schild mit Klischees, um sie wieder zu brechen: So backt der Macho-Schützenhauptmann (Alois Beck) am Ende Vanillekipferln, will der Bürgermeister-Sohn (Samuel Duftner) lieber Literaturwissenschaft studieren, als Polit-Luft schnuppern, kredenzt der Würstl-affine Wirt (Fritz Troppmair) plötzlich Hirselaibchen und ist der Pfarrer (Ludwig Senn) halb so heilig, wie man meinen könnte – dafür aber doppelt so lustig. Wer das mit dem Kreuz vermurkst hat, wird nicht verraten. Nur so viel: Versehen war es keines. (fach)