Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.07.2017


Bezirk Reutte

Geierwally-Freilichtbühne startet in die Spielsaison

Am Freitag geht das Stück „Schwabenkinder“ in die dritte Auflage. Das Leid der Kinder steht bei der Neuinszenierung im Fokus.

Der Ertrag aus der kargen Landwirtschaft reichte nicht aus, um alle in der Familie satt zu kriegen. Die Not zwang die verzweifelten Eltern dazu, ihre Kinder Jahr für Jahr zur Kinderarbeit in die Fremde zu schicken.

© WeissenbachDer Ertrag aus der kargen Landwirtschaft reichte nicht aus, um alle in der Familie satt zu kriegen. Die Not zwang die verzweifelten Eltern dazu, ihre Kinder Jahr für Jahr zur Kinderarbeit in die Fremde zu schicken.



Von Christine Eberl

Elbigenalp – Das Stück „Schwabenkinder“ aus der Feder von Claudia Lang-Forcher, deren Mutter selbst eines der letzten Schwabenkinder war, spielt um 1900. Die bittere Armut im Lechtal zwingt viele Bauern, ihre Kinder den Sommer über nach Schwaben zu schicken, wo sie als Arbeitskräfte vermittelt werden, um dort Geld zu verdienen.

In der inzwischen dritten Inszenierung gibt es einige Änderungen, wie Bernhard Wolf, Künstlerischer Leiter, und Regisseur Thomas Gassner erklären. Bernhard Wolf, selbst ausgebildeter Schauspieler, ist für die Besetzung und den Text zuständig. Er spielt selbst mit und stellt dieses Jahr den „Händler Hannes“ dar. „Die Rolle ist nicht groß“, so Bernhard Wolf, „jedoch besteht für mich die Möglichkeit, einen Überblick über das Bühnenbild, den Ablauf und vor allem über die vielen mitwirkenden Kinder zu haben.“ Die Besonderheit ist heuer nämlich, dass der Fokus verstärkt auf die Kinderdarsteller gelegt wird, da es in erster Linie um deren Leid geht. Thomas Gassner, heuer zum ersten Mal bei der Inszenierung „Schwabenkinder“ als Regisseur dabei, legt Wert darauf, „das gleiche Gefäß neu zu füllen“. Emotionen würden verlagert, die Erzählungen klarer und es werde mit weniger Pathos gearbeitet. „Das dramatische Stück wirkt dieses Jahr sehr realistisch und ist mit wenig Fiktion gespickt“, so Thomas Gassner.

Am Bühnenbild wurde ebenfalls gefeilt, klassische und moderne Elemente eingebaut. Ernst Schnöller und Michael Bachnetzer haben im Laufe der Probearbeiten ganze Arbeit geleistet. „Die Zuschauer sollen die Handlung verinnerlichen können, realistisch, aber doch zeitversetzt. Es muss sehr behutsam mit den Eindrücken der Bühne umgegangen werden, damit diese nicht verloren gehen“, beschreibt Gassner die besondere Herausforderung.

Insgesamt besteht das Ensemble aus 29 Darstellern im Alter zwischen fünf und 77 Jahren. Darunter sind Laien mit langjähriger Spiel- und Bühnenerfahrung, aber auch einige Neuentdeckungen. „Der Verlauf der Proben war bisher sehr angenehm. Dies beruht auf dem guten Klima, dem Können der Darsteller und deren Eifer“, erklärt Wolf. Barbara Hölzl schneidert die Kostüme.

Und nächstes Jahr? „Es ist ein neues Projekt in Planung, das ich zusammen mit einem Kollegen schreibe. Mehr wird noch nicht verraten“, gibt sich Wolf zugeknöpft.




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