Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.11.2017


Kammerspiele

„Der Vetter aus Dingsda“: Nonsens im Gag-Gewitter

Leichte Unterhaltung mit Eduard Künnekes vielgespielter Operette „Der Vetter aus Dingsda“ in den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters.

© Rupert Larl



Von Ursula Strohal

Innsbruck – Er hat Charme, Schwung und Ironie, der Vetter aus … na eben aus Dingsda, und wohl deshalb Konjunktur. Von Potsdam über Düsseldorf bis Köln und Regensburg wird er herumgereicht und ist am Samstag in den Kammerspielen des Tiroler Landestheaters gelandet. Das kurz nach dem Ersten Weltkrieg herausgekommene Stück nennt sich Operette, da ist aber keine Spur einer Strauß’schen Opernnähe und ebenso wenig Lehárscher Schmachtschmalz. „Der Vetter aus Dingsda“ ist ein fröhliches Petit Rien, eine operettenhafte musikalische Komödie, mit Zügen des Sing- und Lustspiels, und ihrer Variationen. Aus solchen Unterhaltungen aus Witz, Sentiment und amüsantem szenischen Nonsense hat sich später das Musical herausgeschält.

Thomas Gassner führte für den „Vetter“ erstmals am Tiroler Landestheater Regie und nützte das Stück zwischen Scherz und Banalität zu einem Gag-Gewitter. Spürbar bleibt, dass er vom Schauspiel kommt. Michael D. Zimmermann baute eine hübsche, variable Bühne mit Julias Balkon für die Sehnsüchte des Teenagers, nahe an ihren realitätsfernen Träumen. Seine Kostüme nützen die Ironie, bleiben aber ohne zeitliche Fixierung. Die Zwanzigerjahre schwingen in den Tänzen wie Foxtrott und Tango, für die Choreographie ist Randy Diamond aufgeboten. Mit den Tanzerfahrenen bringt er Schwung ein und schaut für einen Moment bei Michael Jackson vorbei.

Auch Gassner lässt keine Statik aufkommen. Es ist nicht möglich, all das Lustige und Unsägliche aufzuzählen, mancher Klamauk erübrigt sich. Aber er hat ein starkes Ensemble. Wenn Dale Albright als Onkel Kuhbrot und Tante Wilhelmine alias Susanne von der Burg ihre süffisante Komik aufziehen, wenn da das Bürgertum seine betuliche Behauptung sucht und ein wenig Militarismus nachklingt, ist das ein Spaß für sich, was immer die Geschichte an Banalität aufbietet.

Für Julia De Weert, die seit sieben Jahren um ihrer Kinderliebe willen allabendlich den Mond anbetet, kommt Amelia Scicolone quasi vom Cesti-Wettbewerb in die Mess­e/Kammerspiele, um mit vollem, schönem Opernsopran und dezentem Spiel eine Talentprobe abzugeben. Auch ihre Freundin Hannchen, Verena Barth-Jurca, überzieht nicht und setzt ihr Temperament sympathisch ein. Mit Johannes Strauß, der als August mit hellem Tenor und jungenhaftem Charme auf sich aufmerksam macht, und dem stets spielfreudigen Florian Stern als ersehntem Roderich, der seine Julia in Batavia (Indonesien) aber längst vergessen hat, sind die Heiratskandidaten zur Stelle. Unnsteinn Arnason ist Egon, die komische unbeholfene Figur des Stücks, als Diener und Bühnenarbeiter sind Konrad Hochgruber und Thomas Rozzoli präsent.

Hansjörg Sofka hat in der Bamberger Fassung des Stücks von Konrad Haas die flotte musikalische Gestaltung in der Hand und ist am Keyboard. Mit seinen trefflichen Mitstreitern an Klarinette, Gitarre, Bass und Drums, die die Partitur gleichzeitig minimieren und aufmöbeln, bildet er etwas seltsam die antiken Figuren des Schlossparks.