Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.12.2017


Bühne

Innsbrucks Schauspielschüler auf Herbergssuche

Die Tiroler Schauspielschule Innsbruck ist zahlungsunfähig, die Schulräume wurden am Samstag vergangener Woche zwangsgeräumt.

© Schauspielschule InnsbruckSzenenbild der Schauspielschulen-Produktion „HM3 – Heiner Müller“ 2015 im aut – architektur und tirol.



Innsbruck – Vielleicht ist es Zweckoptimismus. Oder Galgenhumor: „Die Räume, die uns vom Bewegungsbogen und dem Tanz- und Fitnessstudio Streetmotion zur Verfügung gestellt wurden, eignen sich sehr gut für den Unterricht“, sagt Lore Mühlburger. Mühlburger ist Obfrau der Tiroler Schauspielschule Innsbruck. Und die hat gut geeignete Ausweichquartiere derzeit dringend nötig. Im Sitz der Schule, einem Stöcklgebäude in der Heiliggeiststraße, rückte am Samstagmorgen der Gerichtsvollzieher an. Wegen ausstehender Mietzahlungen wurde die Zwangsräumung exekutiert. Dass sich die finanzielle Situation der Schule in den vergangenen Jahren zugespitzt hat, war kein Geheimnis. Nach einem internen Führungsstreit, der 2015 in der Gründung einer zweiten Schule („Schauspiel Innsbruck“) gipfelte, haben Stadt und Land zuletzt von einer weiteren Förderung der Schule abgesehen.

Laut einem internen Schreiben, das der TT vorliegt, haben Vertreter von Stadt und Land Mühlburger und die Ehrenpräsidentin des Vereins, die Schauspielerin Julia Gschnitzer, „ausdrücklich und dringend gebeten“, die „Ablehnung der Förderung endlich ernst zu nehmen (...) und jedenfalls für das Schuljahr 2017/18 keine neuen Schüler aufzunehmen“.

Trotzdem wurden im Oktober neue Schüler aufgenommen. Es sei ihr darum gegangen, zu unterstreichen, dass die Voraussetzungen für eine professionelle Ausbildung gegeben sind, erklärt Obfrau Mühlburger dazu. Gewährleistet wurde das auch dadurch, dass Lehrer auf ihr Honorar verzichtet haben.

Eine der Bedingungen, die die öffentliche Hand bereits zuvor an künftige Zuwendungen geknüpft hatte, war wie berichtet die personelle Neuaufstellung des Vereins. Vor allem Mühlburgers Doppelfunktion als Vereinsobfrau und Schulleiterin wurde kritisiert. Rochaden gab es daraufhin mehrfach: Im März 2016 übernahm der Schauspieler Johannes Nikolussi die Obmannschaft und Mühlburger die Geschäftsführung, fünf Monate später wurde Gerhard Ghetta neuer Geschäftsführer und Mühlburger erneut Obfrau. Inzwischen weist das Vereinsregister Ghetta als Kassier der Schauspielschule aus, während Bruno Wolf im August 2017 die Geschäftsführung übernahm. Und dieser informierte am Montag Schüler, Lehrkräfte und Vereinsmitglieder über die Zahlungsunfähigkeit des Vereins. Die bestätigte auch Lore Mühlburger auf Nachfrage der TT. Der Unterricht für die derzeit 17 Schüler, die jährlich 4180 Euro Schulgeld zahlen, sei bis Jahreswechsel gesichert. Zeitgleich dürfte die Abwicklung des jetzigen Vereins in Angriff genommen werden. Wobei es dem Vernehmen nach innerhalb von Innsbrucks Theaterszene bereits Überlegungen gibt, die alte Schule mit neuem Verein weiterzuführen. Man fragt sich nur, wo. (jole)