Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.03.2018


Bühne

Göttlich, dieses Gemetzel auf der Bühne

Fulminante Premiere des Theaterstücks „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza auf der Bühne der Arche Noe in Kufstein.

Brigitte Einkemmer, Thomas Kraft (oben) sowie Martin Heis und Birgit Hermann­Kraft (Foto im Text) als zwei Paare, die die Masken fallen lassen.

© OtterBrigitte Einkemmer, Thomas Kraft (oben) sowie Martin Heis und Birgit Hermann­Kraft (Foto im Text) als zwei Paare, die die Masken fallen lassen.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die Fortführung lag auf der Hand: Nach der Komödie „Kunst“ von Yasmin­a Reza folgte nun in der Arche Noe in Kufstein „Der Gott des Gemetzels“ – eines der ganz großen Erfolgsstücke der französischen Autorin. Das Publikum sah dabei mit dem Duo Martin Heis und Thomas Kraft zwei Darsteller aus „Kunst“ wieder, flankiert wurden die Herren von Birgit Hermann-Kraft und Brigitte Einkemmer. Ein Darsteller-Quartett, das im Bezirk seinesgleichen sucht. Regisseur Stefan Bric hatte für die nicht leichte und durchaus riskante Aufgabe einen guten Griff getan, wie die Premiere am Samstagabend zeigte.

Eine weiße Wand, ein paar Bücher, ein Tablett mit Tassen, ja und nicht zu vergessen die Flasche Rum, die eine wesentliche Rolle spielt, und natürlich eine Schüssel. Das war’s – mehr gesteht Bric den vier Darstellern nicht zu. Nicht gerade üppig, um Atmosphäre zu erzeugen. So bleibt also nur das Wort und das Können der Darsteller. Umso fulminanter also das bei der Premiere Gezeigte: Eine­r Zwiebel gleich schälen die vier nach der Anleitung des Regisseurs den wahren Kern heraus: Was als vernünftiger Dialog zur Konfliktbeilegung nach einem Streit zwischen den beiden elfjährigen Söhnen der Ehepaare beginnt, endet im Gemetzel, dessen Gott eine wahre Freude daran hat. Stück für Stück zerbricht da die Fassade des Kleinbürgertums, der scheinbaren guten Ehe, und als der Rum seine Wirkung tut, müssen auch die Tulpen daran glauben. Ein­e tiefschwarze Komödie, die sich Minute für Minute schwungvoller werdend vor dem Zuschauer ausbreitet. Glänzend dabei vor allem Brigitte Einkemmer als Ehefrau, der nur noch speiübel vom eigenen Mann ist. Auch Birgit Hermann-Kraft als hysterische, alkoholkranke Supermutti begeistert genauso wie Martin Heis und Thomas Kraft als hin- und hergerissene Ehemänner. Stefan Brics Wagnis hat sich gelohnt – eine tolle Theaterpremiere zeigte dies.

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- Otter

Infos und weitere Spieltermine unter Tel. 0650/664 3654 oder im Internet unter www.archenoe.at.