Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.04.2018


Bühne

„Anne Frank“ in Uderns: Das Unrecht hinaustrommeln

Es ist ein Solo von Maddalena Hirschal, der Tochter von Schauspieler Adi Hirschal, als Anne.

© Landsiedel Maddalena Hirschal in der Rolle von Anne Frank.



Von Markus Schramek

Uderns – Das Tagebuch der Anne Frank gilt als zeitgeschichtliche Pflichtlektüre. Die gebürtige Deutsche schildert darin ihre Flucht vor den Nazis. Zwischen 1942 und 1944 tauchte Anne mit ihrer Schwester, den Eltern und vier weiteren Juden in einem verdeckten Hausanbau in Amsterdam unter. Doch das Versteck wurde verraten. Familie Frank starb 1945 im Konzentrationslager, nur der Vater überlebte. Er veröffentlichte Annes Tagebuch als Dokument des Nazi-Wahnsinns.

13 war Anne, als sie von der Bildfläche verschwinden musste. Hier setzt das Bühnenstück ein, das gestern erstmals in der Steudltenn in Uderns zu sehen war. Es ist ein Solo von Maddalena Hirschal, der Tochter von Schauspieler Adi Hirschal, als Anne. Der Text stammt original aus den Tagebüchern. Die Mimin hat ihn selbst adaptiert. Regie führt Holk Freytag.

Acht Stühle auf der Bühne symbolisieren die acht Bewohner des Verstecks. Anne hält eine Blechtrommel statt eines Tagebuchs in Händen: Sie will sich Gehör verschaffen und das Unrecht, das ihr widerfährt, hinaustrommeln.

Das Licht fällt aus, von fern sind Fliegerangriffe zu hören, dicke Mauern schirmen das Versteck ab. Hier muss Anne bleiben, auf Frieden hoffen, auf Briten und Amerikaner, deren Landung bevorsteht. Das Radio ist die einzige Verbindung nach draußen.

Die trotz ihrer 34 Lenze zierlich und jugendlich wirkende Hirschal passt bestens in die Kleidchenrolle der heranwachsenden Anne. Sie zeigt sich als lebensfrohes, junges Ding, frech und kokett, hadernd mit der Mama, den Papa vergötternd. Sie wirft ein Auge auf Mitbewohner Peter. Der erste Kuss, das erste Verliebtsein. Wäre da nur nicht die Welt da draußen, die komplett aus den Fugen geraten ist. Jüdischer Herkunft zu sein kann in dieser Zeit das Todesurteil bedeuten.

Hirschal hat bei dieser Vormittagsvorstellung keine leichte Aufgabe: Die Steudltenn ist bis unter das Dach mit Schülern gefüllt. Doch Annes Geschichte, quirlig und doch einfühlsam erzählt von ihrer Darstellerin, vermag Wundersames: Selbst jugendliches Quecksilber auf den Zuseherbänken sitzt für längere Phasen still und hört zu.