Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.04.2018


Tiroler Dramatikerfestival

Die große Suche nach dem Sinn

Vom 4. Mai bis 6. Juli findet das neunte Tiroler Dramatikerfestival statt.

© TamerlKlaus Rohrmoser (Mitte) und sein Autorenteam präsentierten gestern das Programm des neunten Tiroler Dramatikerfestivals. Foto: Tamerl



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Der Festivalleiter Klaus Rohrmoser präsentierte bei der gestrigen Pressekonferenz im Brux das Programm des neunten Tiroler Dramatikerfestivals, das in diesem Jahr von 4. Mai bis 6. Juli stattfinden wird.

„Es ist kein Trendfestival“, betont Rohrmoser, ihm ging es bei der Konzeption des Programms vor allem darum, „existenziellen Fragen Raum zu gewähren“, und er wolle vor allem „auf die Randzonen der dramatischen Kunst fokussieren“. Ein szenisches Oratorium, ein Live-Hörspiel, aber auch eine Filmpräsentation, bei der gleichzeitig getanzt wird, stehen auf dem Programm. Einige Autorinnen und Autoren waren anwesend und haben ihre Stücke kurz vorgestellt.

Die am 4. Mai uraufgeführte Eröffnungsproduktion mit dem Titel „Nullmensch“ stammt aus der Feder des bosnischen Lyrikers Jovica Letic, der schon seit vielen Jahren in Innsbruck lebt. Seine Inspiration fände Letic, wie er selbst sagt, in seinen Träumen. Bereits die Beschreibung des Stücks weckt Assoziationen zu Traumsequenzen. Seine Figuren, die Ziegel für Ziegel ihr eigenes Irrenhaus bauen, begeben sich auf eine philosophische Sinnsuche. Sie wollen verlorene Werte wiederfinden, bei der Stunde null anfangen.

Das Stück des Südtirolers Wolfgang Nöckler mit dem Titel „Rhetorik oder Fische sind schlechte Biografen“ beschäftigt sich mit dem Tod. Im Mittelpunkt steht die Flüchtlingstragödie vor Lampedusa. Diesem Leid will Nöckler politische Floskeln gegenüber stellen.

Die im Rahmen des Festivals präsentierte Videoarbeit „Five Poets in Extraordinary Movement“ widmet sich fünf Tiroler Schriftstellern. Auch Martin Fritz wurde für den Film porträtiert, für ihn eine völlig neue Erfahrung: „Man gibt als Autor viel Kontrolle ab, aber genau das ist das Faszinierende.“

Vielversprechend sind auch die beiden Produktionen zweier junger Autorinnen. Madeleine Weiler erzählt in ihrem Stück „Uns bleibt die Freundschaft“, das auch für ein junges Publikum ab 13 Jahren gedacht ist, von zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mirjam Zadra wiederum macht in „Federleicht“, das an der Talstation der alten Hungerburgbahn aufgeführt wird, eine Brücke im Nirgendwo zu einem Ort der Begegnung. Dabei treffen Todessehnsüchtige, aber auch Touristen aufeinander.

Das im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindende Festival wird von Stadt, Land und Bund mit rund 50.000 Euro gefördert.