Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.05.2018


Landestheater

Was nützt alles Gold der Welt?

Ein Spaß für Kinder und die, die es bleiben wollen: „Gold“ am Tiroler Landestheater.

© GraweEinfache Mittel, große Wirkung: Camilla Lehmeier und Fabian Klucker in der Kinderoper "Gold".



Innsbruck – Leonard Evers’ Musiktheaterstück „Gold“ geht auf das Grimm’sche Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ zurück. Aber es geht auch mit der Zeit: Es ist kein nimmersatter Ehedrachen mehr, der sich eines wundertätigen Meeresbewohners zur eigenen Wohlstandsmaximierung bedient, sondern ein gesichtsloses Elternpaar. Das schickt seinen Sohn, Jakob, immer wieder in eigennütziger Absicht an den Strand. Dort hat er einst einem Fisch ein zweites Leben geschenkt – und als Gegenleistung darf er sich Wünsche erfüllen lassen. Getreu der Vorlage ist das Ende der magischen Geschichte ernüchternd – und deren Moral eindringlich: Wer das, was er hat, nicht wertschätzt, ist zum Unglück verdammt. Oder anders: Was nützt alles Gold der Welt, wenn man dafür alles Miteinander opfern muss?

Als Oper für Kinder ab sechs Jahren hat Mareike Zimmermann das Stück mit einfachen Mitteln nun auf der Probebühne 3 des Tiroler Landestheaters in Szene gesetzt. Auch Dank der feinen Leistung von Camilla Lehmeier (Erzählerin und Gesang) und Fabian Klucker (Musik) reichen Lichteffekte und kluger Klangeinsatz, um hinreißende Illusionen zu erzeugen. Und wenn es gilt, eine besonders tosende Brandung zum Leben zu erwecken, darf das engagierte Duo auf die Unterstützung des Publikums vertrauen. „Gold“ ist kurzweiliges Lehrstück ohne erhobenen Zeigefinger. Und auch für Kinder jenseits der dreißig ein großer Spaß. (jole)