Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.05.2018


Bühne

Musical „Lazarus“: Heroen in Bowies Diensten

Großer Bahnhof für David Bowies Musical „Lazarus“: die umjubelte österreichische Erstaufführung am Wiener Volkstheater.

© APA/OczeretNeon, Glitzer und ganz viel Bowie: Günter Franzmeier und Katharina Klar beweisen in "Lazarus" kolossales Gesangstalent.



Von Bernadette Lietzow

Wien – Anna Badora, die Direktorin des von beklagenswerter Auslastung, längst fälliger und ins Jahr 2019 verschobener Sanierung geplagten Volkstheaters, darf etwas aufatmen angesichts des Coups, die österreichische Erstaufführung von „Lazarus“, David Bowies kurz vor seinem Krebstod im Jänner 2016 uraufgeführtem Bühnenwerk, an ihr Haus geholt zu haben. Alle Ehre gebührt den elf Schauspielern, die sich da in Bowies Universum begeben und sich, nicht zuletzt als Retter der schwindenden Publikumsgunst, die Seele aus dem Leib singen.

Allen voran verdankt sich der am begeisterten Zuspruch der Premierenbesucher vom vergangenen Mittwoch ablesbare Erfolg jenem Schauspieler, der es auf sich nahm, die Rolle des „Mannes, der vom Himmel fiel“ mit Leben und vor allem mit Stimme zu füllen. Günter Franzmeier, kürzlich und was immer das heißen mag aufgrund seiner langjährigen Treue zum Volkstheater in einem Medium als „Aktiv-Doyen“ tituliert, verbindet sein darstellerisches Talent mit Traute sowie erstaunlichem musikalischen Können. Elegant, ob in Schmuddelhose oder in großartigem 80er-Sanduhr-Look (Kostüme: Jelena Miletic), lässt er den Ausnahme-Künstler ahnen, ohne dessen Abziehbild zu sein.

So formt er auch die Songs bis hin zu „Heroes“ durchaus eigenständig, wie überhaupt die musikalische Ebene dieses „Lazarus“, verantwortet vom Musiker und Komponisten Bernhard Neumaier und seinen sieben Mitstreitern, als äußerst gelungen gelten kann. Sie führen die sängerisch wie bewegungstechnisch herausgeforderten Darsteller durch Bowies komplexe Ton-Welt. Glänzen können so eine beeindruckende Isabella Knöll als naive Elly, ein toller Christoph Rothenbuchner in der Rolle des zwielichtigen Verbrechers Valentine oder die ergreifende Katharina Klar als eine Art zerbrechliches Sterntaler-Mädchen.

Der aus Serbien stammende Regisseur Miloš Lolic, der in der kommenden Saison an der Burg ein Stück des französischen Autors Bernard-Marie Koltès inszenieren wird, konzentriert sich in seinem „Lazarus“ ganz auf die Vermittlung einer Art Bowie-Temperatur. Die Handlung, von Bowie und dem schottischen Autor Enda Walsh an Walter Tevis’ Roman „The Man who fell to Earth“ orientiert und angelegt als große Reflexion über (Künstler) Werden, Vergehen und Auferstehung – siehe die Figur des biblischen Lazarus –, tritt dabei in den Hintergrund.

Umso mehr darf sich das Publikum von einer glitzerbunten Show animieren lassen, die sich in kurzweiligen zwei Stunden auf Wolfgang Menardis mit Neonkuben und allerlei Getier gestalteter Drehbühne abspielt. Ein Abend, der Lust macht, wieder mehr Bowie zu hören.




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