Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.05.2018


Hall

Wer Sehnsucht kennt, weiß, wovon sie sang

© MalysehvEinander zugetan: Werner Güra und Anke Vondung in feinen Duetten von Schumann und Brahms. Am Klavier Christoph Berner.



Werner Güra bescherte im Haller Kurhaus schon so manche Lieder-Sternstunde. Als er voriges Jahr absagen musste, sprang Anke Vondung mit viel positivem Echo ein. Jetzt waren im Zyklus musik+ beide da, für einen bezaubernden Abend aus Liedern und Duetten von Robert Schumann, Clara Schumann und Johannes Brahms. Am Klavier, mitdenkend, mitfühlend, die unter Christoph Berners Händen so diffizile „dritte Stimme". Ein Musiker-Ehepaar mit Freund, Dichter-Lieben, zwei Interpreten — Beziehungsgeschichten noch und noch.

Güra und Vondung, eines Sinnes in feinsten Valeurs, Tenor und Mezzo sich wunderbar mischend, kreuzend, ergänzend, einig im Tonfall der Romantik und der lyrischen Semantik von Rückert, Heine, Grün, Geibel und anderen. Die Duette sind selten zu hören, etwa das betörend Schumann'sche „In der Nacht".

Der neckische Streit um Einlass ins Gärtlein kommt heiter beflügelt, zwischen allem nachtblauen Brahms-Samt erklingt das viel missbrauchte „Da unten im Thale" in zarter Resignation. Clara zwischen Robert und Johannes mit einigen ihrer Sololieder gibt Anke Vondung einen eigenen Ton. Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, wovon Clara da singt. (u.st.)




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