Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.05.2018


Bezirk Kufstein

Eine Satire, die nicht immer lustig ist

Die Gaststubenbühne Wörgl spielt Sigi Zimmerschieds Stück „Für Frieden und Freiheit“.

© OtterPatrick Haller und Priska Mey (linkes Bild) als Hausmeister-Ehepaar. Dominic Kainzner will Sophia Etzelstorfer erobern.Fotos: Otter



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Es ist eine bitterböse Abrechnung mit der Politik, der Verlogenheit der Gesellschaft und der scheinbar heilen Welt auf dem Land – der begnadete Satiriker, Kabarettist und Autor Sigi Zimmerschied hielt seinen bayerischen Landsleuten und allen darüber hinaus schon immer gerne einen Spiegel vor und hat in seinem konservativen blauweißen Heimatland so manchen Skandal ausgelöst. Mit dem Stück „Für Frieden und Freiheit“ nimmt er sich Anfang der 1980-Jahre in seiner unnachahmlichen Art und Weise nicht nur der Politik, sondern auch der Leichtgläubigkeit der Wähler an.

Vor 30 Jahren war ebendieses Stück Auslöser für die Gründung der Wörgler Gaststubenbühne, die seither viele beachtenswerte Produktionen gezeigt hat. Zugleich war die Satire, 1987 gespielt in einem Hinterzimmer des mittlerweile von der Abrissbirne dahingerafften Gasthofes Aufinger in Wörgl, Auslöser für manche lokalpolitische Diskussion. Immerhin hat die damalige Schauspielertruppe rein zufällig Anleihen an der Stadtpolitik genommen.

30 Jahre später hat nun die neue Generation der Gaststubenbühne als Reminiszenz das Stück auf den Probenplan gesetzt und konnte kürzlich zur Premiere laden.

„Für Frieden und Freiheit“ ist noch immer aktuell. Ein Hausmeister, der auf Drängen seiner Frau über die Stationen Pfarrgemeinderat, Schützenkompanie und Kaninchenzuchtverband in der Politik Karriere machen will, ist durchaus noch heute denkbar. Ein Blick auf manche Kandidatenliste bei Wahlen bestätigt diese These.

Auch der Intrigen schmiedende Jungpolitiker, der letztlich die Karriere des Hausmeisters vernichtet, weil ihm dessen rebellisches Töchterchen nicht zu Willen ist, lässt sich in der Realität durchaus finden. Was anders als Anfang der 1980er ist? Das Stück regt niemanden mehr auf.

So unaufgeregt gestaltete sich letztlich auch die Inszenierung von Anna Etzelstorfer. Das Quartett Priska Mey, Patrick Haller, Sophia Etzelstorfer und Dominic Kainzner spielte amüsant und entlockte dem Publikum auch viele Lacher. Einer Amateurbühne entsprechend waren jedoch die schauspielerischen Möglichkeiten unterschiedlich. Alles in allem aber eine durchaus sehenswerte Produktion der Gaststubenbühne.

Weitere Termine: 24.05., 27.05., 30.05., 07.06., 08.06. und 09.06., jeweils um 20 Uhr im Astnersaal (Hotel Alte Post, Wörgl). Karten auf www.gsbw.net und an den Vorverkaufsstellen (Papier Zangerl Wörgl, Kanzlei Herrmann & Kraft & Dallago Kufstein).