Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.05.2018


Osttirol

Die Pfaffin hat man erdrosselt und verbrannt

Die letzte Hexenverbrennung in Osttirol fand im September 1680 statt. Im August widmen sich 32 heimische Schauspieler diesem Schicksal.

© Blassnig ChristophIm Verhörsaal auf Schloss Bruck. Die Pfaffin verkörpert Edina Valeria Ladstätter.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Unrühmliche Zeiten sind in den Gerichtsakten aus den Jahren 1679 bis 1680 dokumentiert. In einem Schauprozess auf Schloss Bruck saß man zu Gericht, um einer ungewöhnlichen Frau, die lesen und schreiben konnte, um jeden Preis den Prozess zu machen. Emerenzia Pichler war gut genug, brauchte man ihre Kräuterkunde oder medizinischen Rat. Wenn nicht, war sie den Menschen wohl nicht geheuer. Gezaubert soll sie haben und Wetter gemacht. Nach grausamer Folter und 60 Verhören waren Geständnisse erpresst wie „Der Teifl war auch da!“. Mahnungen der Priesterschaft zur Gnade wurden ignoriert. Die Pfaffin stieß irgendwann aus: „Bei Jesu Blut! Ich kann nicht mehr!“, und die Perloger Hexe, wie Emerenzia auch bezeichnet wurde, fand durch Erdrosseln schließlich den Tod. Ihr Leib wurde östlich von Lienz auf einem Scheiterhaufen verbrannt. Zwei ihrer Kinder hat man am selben Ort tags darauf enthauptet. Sämtliche Akten sind vollständig erhalten.

Regisseur und Erzähler im Theaterstück ist J. Robert Possenig von der Kulturinitiative Dölsach.
- Blassnig Christoph

Die 21-jährige Edina Valeria Ladstätter aus Matrei spielt das Leiden der Pfaffin in einem großen gleichnamigen Theaterprojekt, das am 24. August vor Schloss Bruck Premiere feiern wird. Zwölf Freiluft-Aufführungen folgen bis Mitte September. Der Kartenvorverkauf startet bereits am 4. Juni in allen Raiffeisenbanken Osttirols. Der Preis pro Person beträgt 20 Euro.

Projektleiter und Regisseur Robert Possenig zeichnet für die Aufführungen verantwortlich und hat eine Theaterbearbeitung des Stoffes nach dem Buch von Fanny Wibmer-Pedit durch Rolf Parton als Grundlage genommen.

Folter, Drangsal und Gewalt seien auch 300 Jahre nach der Pfaffin nicht aus der Welt, sagt Robert Possenig. „Im Gegenteil. Wir werden zum Nachdenken anregen.“

Julia Lindsberger (11 Jahre) und Magdalena Astner (13 Jahre) spielen mit.
- Blassnig Christoph