Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.05.2018


Bühne

Quasimodo klopft in Rattenberg auf Holz

In Rattenberg steht heuer Mitterers „Glöckner von Notre Dame“ auf dem Programm.

© GrießenböckFelix Mitterer mit Alexander Schwarz (Quasimodo), Astrid Schwarz (Esmeralda), Obfrau Claudia Lugger und Peppi Pittl am Schlossberg. Foto: Grießenböck



Von Wolfgang Otter

Rattenberg – Der buckelige Quasimodo war einst eine Traumrolle für Felix Mitterer. „Aber es war schnell klar, dass ich dafür zu unsportlich bin“, erzählt der Tiroler Autor und Dramatiker gestern im Rattenberger Malerwinkel schmunzelnd. Einige Stockwerke über ihn, am Schlossberg, ist bereits alles angerichtet, für das diesjährige Sommerstück: „Der Glöckner von Notre Dame“, frei nach Victor Hugo (Premiere: 29.6, 21 Uhr). Mitterer hat zwar die Rolle nie gespielt, aber sich trotzdem einen Traum erfüllt: Er adaptierte den berühmten Stoff für die Rattenberger Schlossbergspiele und die engagierte Laienbühne schenkt sie nun Mitterer zu dessen 70. Geburtstag. „Besonders stolz sind wir darauf, dass zwar heuer viele Mitterer-Stücke gespielt werden, aber wir die einzige Uraufführung im Sommer haben werden“, erklärt Obfrau Claudia Lugger.

Für Mitterer ist der Glöckner von Notre Dame einer seiner Lieblingsromane, „weil ich mich schon immer mit den Schicksalen von Außenseitern auseinandergesetzt habe. Und Quasimodo ist ein beispielhafter Außenseiter“, erzählt Mitterer. Er hat das Ende der Liebesgeschichte umgeschrieben. Im Original legt sich Quasimodo zur toten Esmeralda in das Grab, um hier auf den Tod zu warten. Das erschien Mitterer für ein „Familienstück“, wie er sagt, zu hart.

Die Regie hat mit Pepi Pittl ein guter Bekannter von Mitterer. Für Pittl ist die Rattenberg-Fassung des Glöckners „großes Volkstheater, bei dem Mitterer den Stoff verständlich für jeden großartig bearbeitet hat“. Dazu scheuen die Laiendarsteller auch keine Mühen. Seit Februar wird geprobt, mittlerweile auf der Naturbühne. „Die Schauspieler nehmen sehr viel auf sich und kommen oft nach der Arbeit direkt in die Proben“, lobt Pittl.

Auch das Bühnenbild war heuer eine echte Herausforderung: Am Schlossberg entstand ein Glockenturm – zehn Meter hoch. Die Glocke, auf der sich Quasimodo schwingt, ist übrigens aus Holz, in kleineren Stücken nach oben gebracht. Jetzt fehlt den Rattenbergern nur noch mehr Wetterglück als im Vorjahr. Geplant sind ab 29. Juni 21 Aufführungen.