Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.06.2018


Bühne

Vier Tonsetzer und ein Genie auf Opernkurs

„Der Stein der Weisen“ am Landestheater: ein Singspiel, das im Vorfeld von Mozarts „Zauberflöte“ entstand.

© TLT/LarlArik Brauers "Zauberflöte"-Aquarelle illustrieren den "Stein der Weisen", Timna Brauer erzählt die Geschichte. Premiere ist am Samstag.



Von Ursula Strohal

Innsbruck – War es ein Stein der Weisen, den US-Musikwissenschafter David Joseph Buch in Hamburg entdeckte? Eine aufregende Geschichte ist es sicher. Er erzählte sie kürzlich im Tiroler Landestheater: Was macht ein Musikforscher, wenn er sich in einer fremden Stadt langweilt? David Buch ging 1996 in die Musiksammlung der Uni-Bibliothek Hamburg. Er wusste, dort lagern über 2000 Handschriften der Stadttheater-Sammlung, die drei Jahre zuvor aus St. Petersburg nach Hamburg zurückgebracht worden war. Die Sammlung war im Krieg in einem Schlosskeller vor den Bomben geschützt, aber von der Roten Armee entdeckt und gestohlen worden. Gorbatschow hatte sie – im Gegenwert von Computern – retourniert.

Das erste Manuskript, das Buch in die Hände fiel, war das Singspiel „Der Stein der Weisen oder Die Zauberinsel“ mit einem Libretto von Emanuel Schikaneder und Musik von gleich fünf Herren. Auch Wolfgang Amadeus Mozart hat dazu beigetragen, u. a. das „Katzenduett“. Das Werk kommt morgen Samstag im Großen Haus des TLT heraus und steht bis Spielzeitende auf dem Programm.

In dieser gar nicht so kleinen Oper von 1790 wird es viel zu hören und auch zu sehen geben. Auszumachen sind szenisch und musikalisch klare Andeutungen auf Mozarts „Zauberflöte“, die ein Jahr später entstand. Auf der Bühne waren in beiden Produktionen großteils dieselben Sänger und Sängerinnen.

Die fünf Komponisten ergaben sich, da Schikaneder, der auf der Höhe seiner Laufbahn 1789 das Wiener Theater auf der Wieden übernommen hatte, rasch viele Stücke brauchte und in Teams arbeiten ließ. Für den „Stein der Weisen“ schrieben die Musik außer Schikaneder selbst und Mozart: der österreichische Komponist und Kapellmeister Johann Baptist Henneberg (Dirigent des „Stein“ und der „Zauberflöte“) sowie die Sänger/Komponisten Franz Xaver Gerl (im „Stein“ Eutifronte und später Sarastro) und Benedikt Schack (im „Stein“ Astromonte, später Tamino).

Schikaneder entnahm die Handlung dem Märchen „Nadir und Nadine“ aus der Sammlung Dschinnistan von Christoph Martin Wieland. Wie in der „Zauberflöte“ stehen eine gute und eine böse Macht einander gegenüber sowie ein ernstes und ein naives Liebespaar, wobei auch hier Mann und Frau ihre Trennung überwinden müssen.

Es gab also viel zu erzählen in der Einführungsmatinee zur morgigen Premiere, in der auch David Buch anwesend war. Operndirektorin Angelika Wolff besorgte die Einrichtung des Singspiels für die konzertante Aufführung und führte eine Erzählerin ein, für die Timna Brauer gewonnen wurde. Seokwon Hong übernahm die musikalische Leitung. Optische Besonderheit sind jene Aquarelle, die Arik Brauer 1977 für eine „Zauberflöte“ in Paris geschaffen hat.

Stimmlich agieren Johannes Maria Wimmer und Garrie Davislim, die als Brüder das Gute und Böse vertreten, die Liebespaare Daniel Johannsen und Jihyun Cecilia Lee sowie Alec Avedissian und Andreja Zidaric, weiters Floria Stern und Sophia Theodorides.