Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.06.2018


Bezirk Kufstein

„Papa“ Haydns Schöpfung als opulentes Geschenk

Der Wörgler Motettenchor feierte am Wochenende sein 60. Gründungsjubiläum – standesgemäß mit einem Großwerk der Klassik.

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© Martin Brunat



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Es gibt sie noch: jene sangesbegeisterten Frauen und Männer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, als Hobby Großwerke der klassischen Musik auf die Bühne zu bringen. So darf sich der Tiroler Motettenchor der Stadt Wörgl über eine große Schar von Sängerinnen und Sängern freuen, die am Samstag in der Pfarrkirche aufmarschierten. Der Grund war auch einer zum Jubilieren: Der Motettenchor feiert heuer sein 60. Bestandsjahr, und dazu hatte Chorleiter Dominik Bernhard ein opulentes Werk der Wiener Klassik auf die Notenständer gelegt: Joseph „Papa“ Haydns Top-Hit, das Oratorium „Die Schöpfung“.

1958 war der heutige Tiroler Motettenchor der Stadt Wörgl als Chor der Musikfreunde gegründet worden (1966 wurde er umgetauft), die Begeisterung war so groß, dass man bereits nach vier Jahren 60 Sänger zählte. Zahlreiche Konzertreisen brachten die Tiroler nach Übersee, Preise bei Wettbewerben wurden ebenfalls gewonnen. Ganz nachhaltig prägte Josef Seywald als Chorleiter die Geschichte und Entwicklung. Er legte 2007 nach 31 Jahren die Chorleitung zurück.

Seit knapp zwei Jahren hat der Innsbrucker Kirchenmusiker Dominik Bernhard die Leitung des Ensembles übernommen. Zum Jubiläum hatte er nun mit seinen Sängern Haydns „Die Schöpfung“ einstudiert.

Das Werk, 1798 fertig gestellt, ist ein entscheidender Höhepunkt in der kompositorischen Laufbahn Haydns. Es war darüber hinaus eine Zäsur in der Geschichte des Oratoriums. Haydn maß dem Chor eine deutlich größere Bedeutung zu und ebnete so den Weg zu einer neuen Oratoriumsart.

Dessen waren sich die Musiker am Samstag in der Pfarrkiche Wörgl auch bewusst. Bernhard ist übrigens kein Dirigent der Experimente. Was, wie sich herausstellte, keinen Nachteil darstellen muss. Er zeigte sich der klassischen Interpretationstradition verbunden und steuerte seine Musiker mit sicherer Hand durch die Schöpfungsgeschichte. Das eigens für das Konzert zusammengestellte „Projektorchester“ mühte sich redlich, nicht immer ganz sauber intonierend, aber trotzdem ein sicherer Partner. Eine Freude war die Musizierlust des Chores, die Begeisterung für den Gesang. Eine tragende Rolle spielten natürlich die Solisten. Der Wörgler Johannes Puchleitner war als „Uriel“ eingesprungen und bewies mit seinem schlanken Tenor technisches und musikalisches Können. Der Innsbrucker Bassist Michael Kranebitter schloss mit einer tadellosen Leistung an und die bayerische Sopranistin Marie-Sophie Pollak komplettierte das ausgezeichnete Solistentrio.

Alles in allem hat der Motettenchor seinen vielen Freunden und sich selbst mit der Aufführung ein tolles Geburtstagsgeschenk gemacht.


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