Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 02.07.2018


Bühne

Der wilde Tanz ums Geld

„Volpone“ als kurzweilig-kluges Sommertheater bei den Haller Gassenspielen.

© Weber-StrickerDie Haller Gassenspiele zeigen heuer den Komödienklassiker „Volpone“, inszeniert von Alexander Sackl als Commedia dell’Arte.



Hall – Dass Gier das Hintertriebenste aus dem Menschen herauskitzelt, ist keine Erkenntnis der Gegenwart. Das galt bereits im Venedig der Renaissance. Dort hat es Volpone zu Reichtum gebracht. Und der weckt nun Begehrlichkeiten. Die mehr oder minder ehrenwerte Gesellschaft der Stadt will ihn am besten schon zu Lebzeiten beerben. Volpone aber, der den Dahinsiechenden nur mimt, spielt die Erbschleicher in spe gegeneinander aus. Sein Diener Mosca gibt die Stichworte dazu. Schnell wird der wilde Tanz ums Geld unübersichtlich – und komisch.

1928 hat sich Stefan Zweig Ben Jonsons Stück „Volpone“ angenommen, es verdichtet und zugespitzt. Seit Samstag ist der Komödienklassiker bei den diesjährigen Haller Gassenspielen in der Burg Hasegg zu sehen. Regisseur Alexander Sackl bleibt dabei den Vorgaben von Zweig und Jonson treu – und inszeniert den „Volpone“ als Commedia dell’Arte. Es stehen keine Charaktere, sondern auf klar umrissene Eigenschaften reduzierte Figuren auf der Bühne, Karikaturen.

Holzschnittartig gerät die Produktion deshalb aber nicht. Auch dank des groß aufspielenden Ensembles. Mit großer Liebe zu kleinen Details, zu Marotten und beiläufig etablierten Running Gags gibt es auch abseits der voltenreichen Handlung einiges zu entdecken. Neben den Hauptdarstellern, Christian Margreiter (Volpone) und Wolfgang Viertl (Mosca), ragen die drei besonders bemühten Beinahe-Erben Wolfgang Klingler (als affektierter Notar), Markus Knauseder (als greiser Wucherer) und Maximilian Stroka (als Kaufmann ohne Skrupel) heraus. Caroline Mercedes Hochfelner berührt als Opfer männlichen Machtanspruchs.

Gerade ihre Szenen, in denen die Verkettung von Gier und Begehren auf ihren grausamen Gipfel zusteuert, verlangen nach sensibler Umsetzung. Jede plumpe Pointe wäre deplatziert. Auch das gelingt. Sackl und sein Team nehmen den tragischen Kern der bunten Posse ernst. Ihr „Volpone“ ist witzig, aber nicht verwitzelt. Das macht ihn zu kurzweilig-klugem Sommertheater. (jole)