Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.07.2018


Osttirol

Viermal Felix Mitterer auf der Bühne

Vier Osttiroler Theatervereine spielen heuer vier Bühnenstücke des Autors, der im Februar seinen 70. Geburtstag feierte. Mitterer zeigte sich bei der Präsentation dankbar und kündigte sein Kommen an.

© Blassnig ChristophFelix Mitterer war persönlich bei der Präsentation und hat bereits sein Kommen zu einigen Aufführungen zugesagt.



Von Christoph Blassnig

Nikolsdorf – Es ist keine leichte Übung, Mitterer-Stücke auf dörflichen Heimatbühnen zur Aufführung zu bringen. „Erst recht nicht in Osttirol“, gab Franz Valtiner aus Strassen bei der Präsentation eines großen Theaterreigens in Osttirol offen zu. An Mitterers Bühnenwerk „Heim“ hätten sich die Strassener trotz Überlegungen schließlich doch nicht herangewagt. „Allein wegen der Sprache, die so direkt ist“, meinte Valtiner. „Da wären Leute aufgestanden und gegangen.“ Schonungslos sei Mitterers Herangehensweise an Tabuthemen im vermeintlich heiligen Land Tirol. In „Heim“ geht es um Missbrauch.

Schon überhaupt ernste Stücke auf die heimischen Bühnenbretter zu bringen, sei in kleinen Gemeinden nicht das, was sich das Publikum wünsche. Unterhaltung und Bauernschwänke seien gefragt. Die Auseinandersetzung mit Totgeschwiegenem werde weithin abgelehnt, so Valtiner. „In Lienz hätten wir uns Heim zu spielen getraut.“

Felix Mitterer selbst fühlte sich ob dieser Aussagen in seine Anfangszeit als Autor in den Siebzigerjahren zurückversetzt: „Mir hat man damals auch gesagt: Das will keiner hören oder sehen. Niemand geht hin.“ Doch seine Bühnenstücke wurden große Erfolge. 1977 erarbeitete Mitterer aus seinem ersten im Rundfunk veröffentlichten Hörspiel „Kein Platz für Idioten“ ein Theaterstück, das an der Volksbühne Blaas in Innsbruck mit ihm in der Hauptrolle uraufgeführt wurde. „Erst viel später ist mir aufgegangen, das bin ja ich, den ich da die ganze Zeit spiele“, gab der Autor Einblick in persönliche Hintergründe. Er fühle sich geehrt und sei dankbar, dass anlässlich seines 70. Jubiläumsjahres gleich vier Osttiroler Heimatbühnen schwierige Stücke von ihm vor den Vorhang holen.

Margit Gasser und Josef Dichtl von der Theatergruppe Rabensteiner in Virgen organisieren das Gemeinschaftsprojekt „Osttirol spielt Felix Mitterer 2018“.

Die Virgener entlarven ab 19. Juli im Kultursaal zwei Wochen lang Tourismuswahn in „Die Piefke-Saga“. Regie führt der Innsbrucker Norbert Mladek. Der Theaterverein Nikolsdorf lässt ab 10. August in „Mein Ungeheuer“ im Multererhof in Nikolsdorf eine totgeglaubte Ehehölle wieder auferstehen (auf 60 Besucher begrenzt). Die Heimatbühne Strassen erschüttert mit den vier Einaktern der „Besuchszeit“, die die Unfähigkeit des gegenseitigen Verstehens zeigen. Ab 3. November führt die Spielgemeinschaft Bergland Assling „Abraham“ auf. Die Homosexualität des AIDS-infizierten Sohnes lässt den gottesfürchtigen Vater mit ihm brechen. Intoleranz, kirchliche Normen und gesellschaftliche Konflikte drängen den jungen Mann an den Rand des Lebens und führen schließlich zu einer alttestamentarischen Tragödie.

Gemeinsam mit Margit Gasser hat Josef Dichtl aus Virgen den Mitterer-Theaterreigen in Osttirol organisiert.
- Blassnig Christoph



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