Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.07.2018


Innsbrucker Kellertheater

Schmachten nach dem Weibe in der Männer-WG

Gabriel Baryllis „Butterbrot“ im Innsbrucker Kellertheater: sommerlich leichte Unterhaltung mit einem sehenswerten Schauspieler-Trio.

© KellertheaterWas bleibt dem Mann, wenn er seiner Frau verlustig geht? Er hält sich am Bier fest. Stephan Lewetz, Johann Nikolussi und Hans Danner (von links) als Singles unter einem WG-Dach.



Von Markus Schramek

Innsbruck – Eine Männer-WG. Was könnte es Schöneres geben? Einer kocht und kauft ein, der andere sorgt für den nötigen Flieder; den gemeinschaftlichen Dreck räumt die Putzfrau weg. Und, ebenso wichtig: Im Kühlschrank steht immer Bier nebst Hochprozentigem, damit aufkommender Herzschmerz nur ja rasch betäubt werden kann.

So lässt es sich leben, wer braucht da noch eine Frau? Architekt Martin (gespielt von Johann Nikolussi) und der vom Bühnenleben desillusionierte Schauspieler Stefan (Hans Danner), beide beziehungsgeschädigt, Single und WG-Mitbewohner, reden sich das in Gabriel Baryllis Komödie „Butterbrot“ jedenfalls ein. Am Samstag hatte das Stück Premiere im Innsbrucker Kellertheater (Regie: Manfred Schild).

Autor Barylli kann bei Beziehungskisten aus dem Vollen schöpfen. Schließlich ist das ehemalige Enfant terrible der österreichischen Kulturszene zum fünften Mal verheiratet. Bisweilen sorgte er mit seinen – realen – Liebschaftsdramen für mehr Aufsehen als mit seinem Output als Schauspieler und Schreiber. Mit „Butterbrot“ gelang dem Wiener jedoch eine textliche Vorlage, die schon auf vielen Bühnen funktioniert hat. In Herzensangelegenheiten sind wir schließlich alle Fachfrau oder -mann.

Das Kellertheater ist für dieses nicht allzu große Stück ideal: Wohnzimmeratmosphäre, das Publikum dicht dran an den Akteuren, wie zu Gast bei Freunden.

Ja ja, schon toll, so eine frauenfreie Zone! Von wegen. In der Männer-WG wird heftig nach dem Weibe geschmachtet, sei es nun in Person von verflossenen Liebschaften oder von prospektiven.

Zur Belastungsprobe für die Zweier-WG wird die Solo-Ankunft von Peter (Stephan Lewetz). Er braucht dringend ein Quartier für die Nacht und den Zuspruch echter Freunde. Denn Peters Frau hat ihn betrogen und dann auch noch hinauskomplimentiert. Und das, obwohl Peter bei aufrechter Ehe „nur ein paar Mal“ selbst fremdgegangen ist. Aber bei Männern ist das was anderes. Sie können genetisch gar nicht anders als hinauszugrasen – findet zumindest Peter selbstgerecht.

Das schauspielernde Trio des Abends lohnt den Besuch im schummrigen Keller unterhalb des Adolf-Pichler-Platzes: bestens aufeinander abgestimmt, radiosprecherreif in der glasklaren Artikulation, spielfreudig und schräg, jeder auf seine Weise. Martin, der letztlich doch wieder von Amors Pfeil getroffen wird, tänzelt verliebt und mit verklärtem Blick über die Bühne. Stefans philosophische Betrachtungen enden gerne auch im Nirwana. Und Peter geriert sich so, wie Männer es halt gerne tun: außen Macho pur, innen butterweich und verängstigt, immer noch verschossen in die Ex.

Das ergibt genau die richtige Kost für einen sommerlich leichten Theaterabend – weder trivial noch überfordernd. Fehlt nur noch, dass man beim Eintritt ein Bierchen mit auf den Weg bekommt. Mit diesen WG-Kumpels würde man gerne anstoßen.