Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.07.2018


Kabarett

Felix Mitterer: „Ein Land braucht kritische Geister“

Felix Mitterers Unterstützungserklärung für den Kabarettisten Markus Koschuh.

© APA/PfarrhoferDramatiker Felix Mitterer, 70, zeigt sich fassungslos über Tiroler Zustände des Jahres 2018.



Innsbruck – Verbale und moralische Unterstützung erhält Kabarettist Markus Koschuh von Tirols renommiertestem Dramatiker der Gegenwart: Felix Mitterer fühlt sich durch jüngste Vorgänge an die Anfangszeit seiner eigenen Laufbahn erinnert. Koschuh war in der Unterländer Gemeinde Going zuerst ein- und dann vom Bürgermeister wieder ausgeladen worden. Begründung von Ortschef Alexander Hochfilzer: Jemand wie Koschuh, der in seinen Sketches Tourismus und Landesregierung aufs Korn nehme, solle nicht auf Gemeindekosten in Going auftreten.

„Offenbar hat Markus Koschuh mit seinem neuen Kabarettprogramm ,Hochsaison‘ an meiner Stelle die längst fällige Fortsetzung der ,Piefke-Saga‘ geschrieben“, erklärt Mitterer dazu. Besagte Fernsehserie, heute Kult, löste bei ihrer Erstausstrahlung im Jahr 1990 noch einen mittleren Skandal aus. Wie Koschuh aktuell, zeigte Mitterer damals Auswüchse des Tiroler Tourismus auf.

Dass ein kritisches Kabarettprogramm aber heute noch zu einer Absage führen kann, ist für Mitterer völlig unverständlich: „Und wieder – nach 30 Jahren! – gibt es Aufruhr und, in Koschuhs Fall, Auftrittsverbote. Wer hätte das gedacht? Hat man nichts gelernt? Lobt man einerseits die heute eh zahnlose ,Piefke-Saga‘ und dreht gleichzeitig eine zeitgemäße Fortsetzung ab?“, so Mitterer in einer Stellungnahme, die der TT vorliegt.

Offen ruft der Autor, der heuer 70 und vielfach gefeiert wurde, dazu auf, Koschuh zu unterstützen. „Ein Land braucht doch kritische Geister, die den Mächtigen auf die Finger schauen. Ich bitte alle kritischen Veranstalter, und die gibt es zuhauf, Koschuh einzuladen. Tirol braucht Markus Koschuh.“

Hannes Hofinger, der Leiter der Bibliothek in St. Johann, ist, wie berichtet, schon vor Mitterers Appell aktiv geworden. Er hat den stornierten Auftritt Koschuhs von Going in den Nachbarort St. Johann geholt (5. Oktober).

Koschuh selbst sagt, er habe weitere Auftrittsangebote erhalten und er freue sich über zahlreiche Solidaritätsbekundungen. (mark)