Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 22.07.2018


Bühne

Pucks große Show im Zauberwald

Der „Sommernachtstraum“ in Rum als witzig-spritzige Großleistung einer Gruppe von Laien-Darstellern.

© Peischer



Von Markus Schramek

Rum – Diese Premiere fiel ins Wasser. Und sie war doch ein tolles, vom Publikum lautstark gefeiertes Schau-Spiel, wie man es einem engagierten Laien-Theater nur wünschen kann. Die Rumer Akteure mussten Shakespeares „Sommernachtstraum“ am Freitagabend aufgrund von Schlechtwetter vom Rathausplatz ins Innere des FoRums verlegen: schwüle Saalatmosphäre statt laues Lüfterl im Freien. Technisch war das kein Problem, denn es wurde vorgesorgt. Martin Kinzlmaiers Bühne lässt sich um 180 Grad drehen. Schnell kann man ins Trockene flüchten, zur Not auch während des Spiels.

Bei den weiteren Aufführungen möge dann Sommer sein. Denn diese peppige Komödie unter Sternenhimmel, das hätte schon was. Macht und Liebe, Eifersucht und Intrige und über allem ein Schuss erotische Magie sind herrliche Zutaten für einen sommerlich-schmackhaften Unterhaltungscocktail. Und genau so kommt diese Inszenierung von Regisseur Fabian Kametz auch herüber: Gute Laune, die ansteckt. Kein hochtrabendes Rezitieren klassischer Theaterverse, aber doch ein lustvoller Schlagabtausch in gereimter Form.

Im Kern geht es da­rum, dass jeder (verliebte) Topf den passenden Deckel findet. Demetrius (Dominik Kapferer) und Lysander (Georg Mader) lieben dieselbe Frau, blöderweise gleich zweimal. Zunächst sind beide in Hermia (Silke Winkler) verschossen, dann, nach Verabreichung eines Kräutleins im Zauberwald, in die vorher glück-, weil partnerlose Helena (Theresa Lechner).

Wirbelwind das Abends ist der schelmische Elf Puck (Martin Moritz). Im Overall eines Jetpiloten düst er auf einem akkubetriebenen Board über die Bühne und durchs Publikum, bereit zum nächsten Schabernack. Zur fantastischen Live-Musik von vier „Vielsaitigen“ jungen Damen wirft sich Puck, einem Show-Star gleich, in Pose wie weiland Freddy Mercury. Martin Moritz, im Brotberuf Arzt, ist ein Naturtalent, das selbst auf größeren Bühnen etabliertes Profi-Personal alt aussehen lassen würde.

Herrlich bodenständiger Kontrast zum nächtlichen Treiben der feinen Gesellschaft ist die Handwerkertruppe. In breitem Tirolerisch übt sie, zu Ehren des Herrscherpaares, ein Theaterstück ein, antikes Drama, owei, das kann nur schiefgehen – und wie. Die Aufführung dieses Stücks im Stück sorgt nach der Pause für Lachsalven im knallvollen Saal. Max Lechner brilliert in der Rolle des Zettel, der am liebsten alles selbst spielen würde. Und Philipp Firlinger muss als Lehrling Flaut, darob nur mäßig begeistert, eine Damenrolle übernehmen. Der junge Mann hat das knackigste „kkkkkkka“ seit LH Günther Platter im Repertoire.

Lysander (Georg Mader) schmachtet Hermia (Silke Winkler) an.
- Theaterverein Rum



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