Letztes Update am Fr, 27.07.2018 10:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bühne

Salzburger Festspiele eröffnen offiziell mit der „Zauberflöte“

Mit einer Festrede vom deutschen Historiker Philipp Blom starten heute um 11 Uhr offiziell die Salzburger Festspiele. Am Abend steht „Die Zauberflöte“ auf dem Programm.

© APA/GindlAlbina Shagimuratova (Die Königin der Nacht) während der Fotoprobe. "Die Zauberflöte" hat heute im Großen Festspielhaus in Salzburg Premiere.



Salzburg – Mit der traditionellen Eröffnungsrede beim Festakt in der Felsenreitschule starten heute, Freitag, die Salzburger Festspiele offiziell in ihre Ausgabe 2018. Inoffiziell dominiert das Festspielgeschehen mit der Ouverture spirituelle inklusive der Premiere des heurigen „Jedermann“ schon seit vergangenem Freitag die Stadt. Als Festredner ist heuer der deutsche Historiker Philipp Blom geladen.

Mit der Verpflichtung des in Wien lebenden Autors setzten Intendant Markus Hinterhäuser und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler auf einen Redner, der sich mit dem Thema der Aufklärung auseinandersetzen soll – gewissermaßen als Gegenpol zum heurigen Festspielmotto „Passion, Ekstase, Leidenschaft“. Bis zum 30. August werden nun zahlreiche Opern- und Schauspielproduktionen sowie ein dichter Konzertreigen Kulturfreunde an die Salzach locken. Insgesamt wurden mehr als 224.000 Karten aufgelegt.

Heute Abend: „Die Zauberflöte“

Als erste Operninszenierung bei den diesjährigen Festspielen feiert „Die Zauberflöte“ unter Regie von Lydia Steier heute Abend Premiere. Der ORF 2 überträgt die Vorführung am 4. August um 20.15 Uhr.

Vor zwei Tagen haben die Wiener Philharmoniker für Steier noch „Happy Birthday“ gespielt – zum 40. Geburtstag. Die in Berlin lebende US-Amerikanerin erlebt aufregende Zeiten, zeigte sich am Vorabend „ihrer“ Premiere aber voller Vorfreude.

Dabei sind die Erwartungshaltungen riesig. „‘Die Zauberflöte‘ ist ein Schinken, bei dem jeder mitsingen kann“, ist sich Steier bewusst. Das Mozart-Stück sei wie ein Hamburger – also ein altbekanntes Gericht, an das man mit neuen Ideen herangehen müsse, um es wieder zu etwas Besonderem zu machen. „Nicht jeder wird das Ding mögen. Aber man muss doch versuchen, etwas Neues zu schaffen“, zeigte sie sich vor Journalisten gelassen – was auch daran liegen mag, dass sie derzeit vor dem Einschlafen viel schlechten Techno aus den 90ern als Gegenprogramm hört.

Nicht jeder werde "das Ding" laut Regisseurin Lydia Steier mögen, aber man müsse versuchen, etwas Neues zu schaffen.
- APA/Gindl

Regisseurin Steier: „Die Zauberflöte ist wie ein Hamburger“

Steier, die schon an zahlreichen renommierten Häusern inszenierte, hat für ihre „Zauberflöte“ eine Rahmenhandlung entworfen, in der die drei Knaben einer bourgeoisen Familie der Gründerzeit die Handlung von ihrem Großvater erzählt bekommen. Die Welt der „Zauberflöte“ entsteht also aus deren Fantasie. „Die Kinder sind wir. Die Kinder sind das Kindliche in uns“, hob Steier ihren Ansatz für Erwachsene heraus, spiele der Graubereiche doch eine große Rolle in ihrem Konzept. Weder sei die Königin der Nacht bei ihr absolut böse, noch Sarastro absolut gut.

Für die Sprechrolle des Alten musste inmitten der Proben Klaus Maria Brandauer für den erkrankten Bruno Ganz einspringen, um dem Stück die zusätzliche narrative Ebene zu verleihen. Und diese Entscheidung zur Rahmenhandlung sei enorm wichtig. „Ich glaube wirklich, dass wir das Stück dadurch verständlicher machen – bizarrerweise“, ist Steier von ihrem Konzept überzeugt.

Ilse Eerens (Erste Dame), Paula Murrihy (Zweite Dame), Geneviève King (Dritte Dame) und Klaus Maria Brandauer (Großvater).
- APA/Gindl

„Ein Teil der Sprechtexte musste daran glauben“

„Die Balance ist eine Herausforderung“, betrachtet sie die Arbeit am Stück aber durchaus selbstkritisch. So müsse in Zeiten, in denen ein Ensemble aus aller Herren Ländern stamme, ein Teil der Sprechtexte schlicht daran glauben: „Man möchte ja an der Geschichte arbeiten und nicht jeden Tag Sprachcoaching machen, damit alle sich ein Wiener Schikaneder-Deutsch aneignen.“

Aber Steier liebt einfach die Herausforderung – die bei Mozart für sie besonders gegeben war. „Ich bin normalerweise viel stärker bei Stücken, die ich nicht mag. Ich habe eigentlich gar keinen Bezug zu Puccini – aber ich kann ihn wahnsinnig gut inszenieren.“

Bei Wolfgang Amadeus sei das anders: „Mein Problem bei Mozart ist, dass ich ihn sehr liebe. Gott sei Dank ist die Geschichte der ‚Zauberflöte‘ etwas problematisch“, freute sich die Regisseurin über zumindest eine Herausforderung, an der sie sich abarbeiten könne: „Ich habe noch kaum eine ‚Zauberflöte‘ gesehen, die mich wirklich überzeugt hat.“ (APA, TT.com)