Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 01.08.2018


Bezirk Kufstein

Neue Handschrift für Passionsspiele in Thiersee

Die Thierseer haben für die Passionsspiele 2022 einen neuen Regisseur gefunden, der optisch neue Impulse setzen will.

© HrdinaV. l.: Vize-BM Silvia Schellhorn, BM Hannes Juffinger, Obmann Hans Kröll, Regisseur Norbert Mladek, Konrad Sieberer und Regieassistent Richard Pirchmoser starten bereits vier Jahre vor den Aufführungen durch.Foto: Hrdina



Von Jasmine Hrdina

Thiersee – Die Leidensgeschichte Jesu ist wohl bekannt und an ihr lässt sich kaum rütteln. Dennoch wollen die Thierseer 2022 eine „traditionelle, aber doch neue Fassung der Passionsspiele“ auf die Beine stellen, wirft Regisseur Norbert Mladek einen Blick in die Zukunft. Mit dem Innsbrucker Theatermacher, der bereits als Regieassistent und Abendspielleiter am Tiroler Landestheater tätig war, habe man einen „Wunschkandidaten“ gefunden, der dem Laienspiel eine neue Handschrift verleihen soll, meint Passionsspielvereins-Obmann Hans Kröll.

Wie diese aussehen wird, darüber ist sich Mladek selbst noch nicht im Klaren. Neben jener Fassung, die Erzabt Jakobus Reimer 1911 schrieb, habe man auch eine Kopie der Bayerischen Original-Schrift aus dem 17. Jahrhundert zur Verfügung. „Ich habe derzeit sieben Textbücher vorhergegangener Aufführungen zu Hause liegen und will mir diese erst mal in Ruhe ansehen“, so Mladek, der wenig von einer krampfhaften Modernisierung hält. Spielraum sieht er vor allem in der visuellen Umsetzung: „Ich arbeite gern mit Licht und setze einfache, klare Bilder, die nicht überladen sind.“ Auch das Bühnenbild soll optisch neue Reize schaffen. „Zurück zu den Wurzeln“ heißt es hier – der vor 30 Jahren umgebaute Bühnenraum soll wieder in seinen Rohzustand zurückversetzt werden und neue Möglichkeiten eröffnen.

Auch ein künstlerischer Freiraum hat letztlich aber einen finanziellen Rahmen. 80.000 Euro investierten Verein, Gemeinde, TVB und Land Tirol in die Passionsspiele 2016. Etwa 10.000 Besucher verfolgten das Laienspiel, an dem sich auch diesmal wieder 250 Thierseer ehrenamtlich beteiligen werden. „Der allgemeine Trend nagt an den Besucherzahlen – in der Kirche genauso wie an unserem Spiel. Umso wichtiger ist es, die Geschichte gut rüberzubringen“, meint BM und Vorstandsmitglied Hannes Juffinger. Knapp vier Jahre haben die Thierseer dafür Zeit. „Wenn die Besucher hinausgehen und über ihr eigenes Leben nachdenken, haben wir viel erreicht“, ist Juffinger überzeugt.